Es lag nicht nur an der fortgeschrittenen Stunde oder an der vorangegangenen, mühsamen Diskussion über die totalrevidierte Bau- und Nutzungsordnung. Als der Aarauer Einwohnerrat gegen elf Uhr nachts endlich zum Traktandum 6, «IT-Zusammenarbeit Aarau Baden (IZAB); Gemeindevertrag mit Baden» kam, herrschte seltene Einmütigkeit. Niemand stellte sich gegen die Vorlage respektive den Anteil am Transformationskredit (132'000 Franken).

Der Plan: Baden und Aarau legen ihre Informatikabteilung zusammen. Alle Angestellten werden gemeinsam den neuen Standort beziehen, und zwar im ehemaligen «GastroSocial»-Gebäude an der Heinerich-Wirri-Strasse 3, das die Stadt vor ein paar Jahren für 7,9 Millionen gekauft hat. Als neuen Verwaltungsstandort; doch dann klappte es doch nicht mit dem Umzug, und auch die Vermietung verläuft schleppend. Derzeit sind das Stadtarchiv und neuerdings der «GönHort» dort untergebracht. Und ab 2020 nun also auch die Informatik.

Einstimmigkeit in Aarau

Der Standort Aarau, sagte Andrea Dörig (SP) als Sprecherin für die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission, sei aufgrund der geeigneten Räumlichkeiten und aufgrund der Nähe zur kantonalen Verwaltung gewählt worden. Die Kommission empfehle den Zusammenschluss einstimmig; es sei «sachlich und finanziell der richtige Weg». Die prognostizierten Kosteneinsparungen würden noch grösser, wenn sich weitere Gemeinden anschlössen, konkrete Termine dafür gebe es aber noch nicht.

Sämtliche Fraktionen befürworteten die Vorlage. Die Sprecher betonten aber jeweils, man solle sich rasch um weitere Partner bemühen. Brigitte Vogt (FDP): «Wir fordern Anstrengungen, bald passende Gemeinden zu finden, die helfen, die Kosten mitzutragen.»

Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker (FDP) tönte an, dass Aarau und Baden künftig noch näher zusammenrutschen könnten: «Wir wollen auch in anderen Bereichen zusammenarbeiten. Die Städte wollen gemeinsam vorangehen. Es ist möglich, dass sich der eine oder andere Bereich in Richtung Baden verschieben wird.»

Sehr knapper Entscheid in Baden

So euphorisch der Bräutigam im Westen am Montagabend auch war – die Braut im Osten zierte sich 24 Stunden später. Zwar stimmte der Badener Einwohnerrat dem Zusammenschluss der Informatikabteilungen ebenfalls zu, von der sich die Befürworter neben tieferen Kosten auch eine Qualitätssteigerung erhoffen, unter anderem betreffend der Datensicherheit. Allerdings kam der Entscheid in Baden nur mit einer knappen Mehrheit von 23 zu 20 Stimmen zustande. Und mit Ausnahme von SP und Grünen, die von einem «visionären und mutigen Projekt» sprachen, das «ein Kompetenzzentrum mit unglaublichen Ressourcen» ermögliche, äusserten alle anderen Fraktionen Vorbehalte. Im Zentrum der Kritik standen die prognostizierten Kosteneinsparungen von 4,5 Prozent. Das sei viel zu wenig, kritisierte Stefan Jaecklin (FDP). Und er warnte: «Es ist wie bei einer Heirat: Wenn wir eines Tages nicht mehr zufrieden sind, wird die Entflechtung nicht einfach – und sehr teuer.» Jaecklin hatte bereits im Vorfeld moniert, mögliche Alternativen zu einer Zusammenlegung, unter anderem Outsourcing, seien zu wenig sorgfältig geprüft worden. Sein Postulat, das unter anderem eine vertiefte Prüfung anderer Lösungen verlangte, wurde allerdings knapp nicht überwiesen.

«Hochriskante Ausgangslage»

Gian von Planta (GLP) hatte ihn unterstützt: «Die potenziellen Ersparnisse durch eine Zusammenarbeit mit Aarau stehen in keinem Verhältnis zu den Risiken.» Die Badener Informatikabteilung sei derzeit alles andere als konkurrenzfähig. Sie habe die Gemeinden Turgi und Neuenhof sowie die katholische Kirchgemeinde als Kunden verloren und es nicht einmal geschafft, die Regionalwerke (zu 100 Prozent im Besitz der Stadt) an Bord zu holen. Von Planta äusserte Zweifel daran, dass sich die Marktfähigkeit der neuen Abteilung verbessere; dies wäre die Voraussetzung dafür, dass sich weitere Gemeinden anschliessen würden.

Michael Brandmaier (FDP) sprach von einer hochriskanten Ausgangslage, die in der Privatwirtschaft die Abklärung alternativer Varianten zur Folge hätte. Er forderte die Rückweisung des Antrags, unterlag im Rat aber mit 21 zu 23 Stimmen.

Zusatzantrag mit Folgen

Mehr Gehör fand mit seinem Zusatzantrag Mathias Schickel (CVP). Er empfahl dem Einwohnerrat, dem Zusammenschluss zuzustimmen, allerdings unter der Vorgabe, dass die jährlichen IT-Kosten der Stadt Baden von derzeit 2,9 Mio. Franken in der laufenden Legislatur um 15 Prozent zu senken seien. Stadtammann Markus Schneider (CVP) warnte: «Es darf nicht sein, dass Aarau uns quersubventionieren muss. Ich bin überzeugt, dass sich ein Weg finden lassen würde. Es wäre aber nicht einfach.» Diesen Weg werden die beiden Städte nun finden müssen, denn der Einwohnerrat genehmigte den Zusatzantrag deutlich.