In wenigen Tagen nimmt die neue Kreisschule Aarau-Buchs – die grösste im Kanton – ihren Betrieb auf. Das Fusionskonstrukt aus der Schule Aarau und der Kreisschule Buchs-Rohr wird in den ersten Jahren seines Betriebes noch Aufbauarbeit leisten müssen. Und möglicherweise kommt eine zusätzliche Aufgabe hinzu: die Einführung einer öffentlichen Tagesschule. Denn dieses Anliegen wurde im Aarauer Einwohnerrat wieder aus der Schublade geholt. «Tagesschule Aarau – die Zeit ist reif!», schreibt die SP in einer Medienmitteilung. Man überlege sich, ein Postulat zum Thema einzureichen. Bekommt Aarau also doch noch eine öffentliche Tagesschule? 30 Jahre, nachdem dies im Einwohnerrat erstmals vergeblich gefordert worden war (1990)?

Das Thema war ein Evergreen der städtischen Politik der Nullerjahre. 2001 forderten die Grünen im Einwohnerrat mit einer Motion die Errichtung einer öffentlichen Tagesschule, vorzugsweise im Aareschulhaus. Es wurden Konzepte entwickelt, Modelle verglichen, Experten hinzugezogen; Arbeitsgruppen formierten sich und warfen den Bettel wieder hin, und es war nie so ganz klar, ob nun die Schulpflege oder die Stadt den Lead haben sollte. Die Aargauer Zeitung schrieb von einer «veritablen Zangengeburt» und vom «politischen Abstellgleis», auf das man das Projekt geschoben habe, wohingegen alle Nachbargemeinden beim Thema schulergänzende Kinderbetreuung schon viel weiter seien. Der Elternverein, entnervt ob der langen Dauer, organisierte eine Kundgebung.

Kita und Hort bevorzugt

Im Herbst 2006 legte der Stadt- dem Einwohnerrat endlich eine entsprechende Botschaft vor. Aber: Er wollte auf die Schaffung einer Tagesschule verzichten, dafür die Anzahl Betreuungsplätze für Schulkinder (Hort) ausbauen und Blockzeiten an den Schulen einführen. Die Argumentation: «Die klassische Tagesschule ist ein starres und nicht mehr zeitgemässes Modell.» Aus einer Umfrage unter den Eltern gehe hervor, dass diese lieber ein bedarfsweise buchbares, flexibles Betreuungsangebot im Quartier (Kita und Hort) haben möchten, anstatt einer zentralen Ganztagesschule mit Mittagstisch. Diese Einführung von «Fusta» – «Familien- und Schulergänzende Tagesstrukturen Aarau» – wurde vom Einwohnerrat zwar beschlossen und die Grünen-Motion abgeschrieben. Jedoch hielt vorab die Ratslinke in ihren Voten fest, dass sie sich nach wie vor eine Tagesschule wünschen würden. So sagte denn Angelica Cavegn Leitner (Pro Aarau), damals Einwohnerrätin und heute Stadträtin, dass sich Tagesschulen und Tagesstrukturen «in keiner Art und Weise» ausschliessen würden.

Buchs muss zustimmen

Und jetzt, mehr als zehn Jahre nach diesem Beschluss, kommt die Tagesschule wieder aufs Tapet. Einführen müsste sie nicht die Stadt, sondern die Kreisschule Aarau-Buchs respektive der Kreisschulrat als Exekutive. Der Anstoss dazu kann aber, via Postulat, durchaus vom Einwohnerrat einer der beiden Gemeinden ausgehen. Sicher ist aber: Will Buchs nicht mitmachen, bekommt Aarau keine Tagesschule. Und der Stadtrat hielt kürzlich fest: «Der Stadtrat ist der Ansicht, dass aufgrund des Fortschrittes im Projekt Zukunftsraum Aarau auch die Gemeinden Densbüren, Oberentfelden, Suhr und Unterentfelden im Rahmen der Evaluation einzubeziehen wären.» Das Fusionsprojekt «Zukunftsraum Aarau» ist schon in der Endphase.

Zofingen hat kein Geld

Auch in Zofingen hat kürzlich die SP-Einwohnerratsfraktion das Thema Tagesschule aufgeworfen. «Weshalb ein Flickwerk aus Schule, Mittagstisch und Randzeitenbetreuung, wenn eine Tagesschule enorme Chancen bietet, die Bildungsqualität zu erhöhen?», fragte Einwohnerrätin Sandra Olar laut «Zofinger Tagblatt». Ein Postulat, wonach der Stadtrat hätte prüfen sollen, ob eine Tagesschule zusätzlich zum bestehenden Angebot der schulergänzenden Kinderbetreuung Sinn machen würde, wurde jedoch knapp abgelehnt. Nicht etwa, weil man Tagesschulen nicht haben will, sondern aus finanziellen Gründen. «Die Idee einer Tagessschule ist zweifellos auch für Zofingen interessant», so der Stadtrat. «Aber nur, wenn sie finanziert werden kann.» Derzeit fehle das nötige Geld. Der Stadtrat werde die Situation im Auge behalten und das Anliegen prüfen, wenn es die städtischen Finanzen dereinst erlauben.