Einig ist sich links und rechts ganz und gar nicht gewesen am Freitagabend. Der Diskussionsbedarf hielt sich trotzdem in sehr engen Grenzen im Brugger Einwohnerrat und so konnte tüchtig aufs Gaspedal gedrückt werden: Nach weniger als einer halben Stunde war die Umsetzung von Tempo-30-Zonen auf den Gemeindestrassen beschlossen, war der Kredit von 272 000 Franken mit 25 zu 18 Stimmen unter Dach und Fach.

Franziska Rabenschlag (SP) nannte drei Vorteile, die für Tempo 30 sprechen: höhere Sicherheit, verändertes soziales Verhalten sowie tiefere Lärmbelastung.

Barbara Geissmann (CVP) freute sich, dass der Stadtrat das Vorhaben proaktiv und zügig angehen will. Neben der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer werde auch die Lebensqualität aller Anwohner erhöht. Sie begrüsste, dass die Einführung von Tempo-30-Zonen ohne bauliche Schikanen geplant ist, was kostenfreundlicher und schnell umsetzbar sei.

Zeitverlust ist minim

Dass mit einer Geschwindigkeitsreduktion auf 30 Stundenkilometer die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer massiv zunehme – bei einem geringen Zeitverlust für die Autofahrer –, hob Yves Gärtner (Grüne) hervor. Denn es helfe sehr wohl, wenn der Bremsweg kürzer sei.

Konrad Zehnder (EVP) vertrat ebenfalls die Meinung, dass der Zuwachs an Sicherheit für die schwächeren Verkehrsteilnehmer und an Lebensqualität höher zu gewichten sei als der minimale Zeitgewinn für die Autofahrer. Er sprach von einer sinnvollen und vernünftigen Vorlage. Es sei höchste Zeit, Tempo 30 – ein altes Anliegen – endlich einzuführen.

Auch Markus Lang (GLP) unterstützte die Vorlage, die sich sehr nahe an die Empfehlungen der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) halte. Diese Empfehlungen seien das Resultat langjähriger Erfahrungen und statistischer Auswertungen. Denn auch wenn in den letzten Jahren in Brugg zum Glück keine schweren Unfälle passiert seien wegen zu hoher Geschwindigkeit, gelte es in die Zukunft zu schauen und das Risiko zu minimieren. Die grösste Wirksamkeit werde dann erzielt, wenn Tempo-30-Zonen flächendeckend eingeführt werden könnten.

FDP fehlen Schwerpunkte

Komplett anderer Meinung war Michel Indrizzi (FDP). Eine flächendeckende Einführung auf dem ganzen Gemeindegebiet widerspreche dem Volkswillen, lautete die Überzeugung. Denn der Bürger wolle eine intelligente Umsetzung, eine sinnvolle Beschilderung dort, wo es Gefahrenstellen habe. Indrizzi sprach von einem Giesskannenprinzip, von einer sehr oberflächlichen Vorlage. Leider sei verpasst worden, Schwerpunkte zu setzen. Niemand fahre mit 50 Stundenkilometern durch die Quartierstrassen. «Ist es wirklich sinnvoll, Geld auszugeben für einen Schilderwald, wo es nicht nötig ist?», fragte der FDP-Einwohnerrat. «Nein», lautete postwendend seine Antwort, «wir lehnen die Vorlage ab.»

Sein Parteikollege Peter Haudenschild pflichtete diesen Aussagen bei: «Eine Pauschallösung kann es einfach nicht sein für Brugg.» Er empfahl, im Sinne einer besseren Lösung Nein zu stimmen.

Umgesetzt wird in Etappen

Nein sagte auch Patrick von Niederhäusern (SVP). Er zeigte sich ebenfalls überzeugt, dass die Vorlage nicht dem Willen der Bevölkerung entspricht und fragte sich, ob die schon heute bestehenden Einschränkungen für den motorisierten Bürger gerechtfertigt sind. Von Niederhäusern verwies weiter auf die Unfallstatistik der letzten Jahre und ging auf die Unfallursachen ein. Kein Unfall habe sich wegen zu hoher Geschwindigkeit ereignet, stellte er fest und folgerte, dass eine flächendeckende Geschwindigkeitsreduktion nicht zur Reduktion von Unfällen führe. Die Autolenker verhalten sich nach seinem Dafürhalten angemessen, keiner fahre mit 50 Stundenkilometern durchs Quartier. Kurz: «Verkehrssicherheit sieht anders aus.»

Der zuständige Stadtrat Reto Wettstein war klar der Ansicht, dass die Einführung von Tempo 30 eine Chance, der richtige Weg ist. Geplant sei die Umsetzung in drei Etappen quartierweise.