Dem regionalen Planungsverband Brugg Regio gehören derzeit 23 Gemeinden an. Der Verband setzt sich ein für die Durchsetzung regionaler Anliegen, fördert die regionale Zusammenarbeit und vertritt die regionalen Anliegen und Interessen nach aussen. Dazu treffen sich die 23 Gemeindevertreter mehrmals pro Jahr zu einer Gesamtvorstandssitzung, immer in einer anderen Kommune.

Grundsätzlich können die Gemeinden Mitglieder in mehreren Planungsverbänden sein. Bis vor wenigen Jahren waren etwa die drei Fricktaler Gemeinden Effingen, Bözen und Elfingen sowohl bei Brugg Regio als auch bei Fricktal Regio engagiert. In solchen Fällen kommen reduzierte Mitgliederbeiträge zum Tragen. Dann haben sich die drei Gemeinderäte aus dem oberen Fricktal entschieden, bei den Bruggern auszusteigen. Auf der anderen Seite entschloss sich die Gemeinde Auenstein, bei Aarau zu kündigen und bei den Bruggern Vollmitglied zu werden. Mit Brunegg, Gebenstorf, Mandach und Villigen hat Brugg Regio aktuell noch vier Mitglieder, die sich in weiteren Planungsverbänden engagieren.

Per Ende 2018 wird nun auch die Gemeinde Gebenstorf bei Brugg aussteigen und ihren Fokus nur noch auf Baden Regio richten. Damit will Gebenstorf gemäss Mitteilung von Brugg Regio «personelle und finanzielle Ressourcen» sparen.

Unterschiede in Baden und Brugg

Wie lange Gebenstorf Mitglied bei Brugg Regio war, weiss niemand mehr genau. «Zirka 35 Jahre», sagt Ammann Fabian Keller auf die Nachfrage der «Schweiz am Wochenende». Beim Brugger Planungsverband hat er zwar keinen Sitz in einer Kommission inne, er engagiert sich aber in der Arbeitsgruppe, die sich mit dem kantonalen Projekt «Ostaargauer Strassenentwicklung» (Oase) befasst. Zudem tauscht sich Keller als Vertreter der Teilregion Zentrum jeweils vor den Vorstandssitzungen aus mit den Gemeindeammännern von Brugg (Barbara Horlacher), Windisch (Heidi Ammon) und Hausen (Eugen Bless).

Was hat die Gemeinde Gebenstorf also wirklich bewogen, nach Jahrzehnten bei Brugg Regio zu kündigen und sich künftig voll und ganz in Richtung Baden zu orientieren? Fabian Keller sagt: «Auf Dauer macht eine Doppelmitgliedschaft aus zeitlichen und finanziellen Gründen wenig Sinn. Die Themen in Baden Regio und Brugg Regio sind häufig identisch, werden aber unterschiedlich behandelt und führen öfters zu unterschiedlichen Lösungen.» Das Geld sei beim Entscheid nicht in erster Linie massgebend gewesen. Wie hoch das Sparpotenzial ist, will der Ammann nicht sagen. In grenzüberschreitenden Angelegenheiten – sei dies im Bereich Verkehr oder Infrastruktur – werde der Gemeinderat Gebenstorf wie gewohnt den bilateralen Weg mit den Nachbargemeinden suchen und für Lösungen Hand bieten. Keller erachtet den Austausch mit Horlacher, Ammon und Bless als «sehr wertvoll». «Dieser wird mir künftig am meisten fehlen», fügt er an.

Fusion: «Höchstens mit Turgi»

Das grösste Verbesserungspotenzial in der regionalen Zusammenarbeit sieht Keller aktuell beim gemeinsamen Standortmarketing. «Gebenstorf als Wohngemeinde zwischen Baden und Brugg ist auf die beiden Zentren angewiesen.» Die Gemeinde könne alleine nicht genügend Arbeitsplätze und kulturelle Leckerbissen anbieten, aber die Zentren bei vielem unterstützen.

Die Nachbargemeinde Turgi möchte bald mit der Stadt Baden Fusionsabklärungen treffen. Und Gebenstorf? «Turgi hat sich 1884 von Gebenstorf getrennt. Für uns kommt entsprechend höchstens eine Fusion mit Turgi ‹back to the roots› infrage», sagt Keller. Sein Dorf habe mit 5500 Bewohnern eine gesunde Grösse und wachse stark. «Es gibt zurzeit keinen Grund für uns, einen Verbündeten zu suchen.»