Mit grossem Bedauern, ja mit Erschütterung ist die Schliessung des Gasthofs Sonne in der Gemeinde Windisch und Region zur Kenntnis genommen worden. Nach 184-jährigem Bestehen endet die traditionsreiche Geschichte.

Eitel Sonnenschein war dem Betrieb vor allem in den Anfängen nicht beschieden. Ein Johannes Meier hatte die stattliche Liegenschaft mit Wohnhaus und Scheune 1822 erbaut. In der Folge reichte er ein Gesuch um Eröffnung einer Pinte ein und betonte, dass das Haus einladend sei «und eine frohe Aussicht auf die Strasse und das Gefilde darbiete». Der Regierungsrat lehnte ab. Bis 1834 schickte Meier acht(!) Gesuche nach Aarau.

In der Zwischenzeit (1828) war die Spinnerei Kunz gegründet worden. Dies wie auch die Verkehrs- und Bevölkerungszunahme veranlassten die Regierung, Meier am 15. September 1834 die Konzession zu erteilen, «unter dem Aushängeschild zur Sonne eine Tavernenwirtschaft zu betreiben», dies gegen eine jährliche Gebühr von 50 Franken. Nach 15-jährigem Kampf folgte also die Eröffnung mit der Bewilligung, auch warme Speisen anzubieten und Gäste zu beherbergen.

Doch da weitere neue Pinten und Speisewirtschaften in der Gemeinde hinzukamen, erhielt Meier Konkurrenz. Mit dem Bau eines «Tanzsaales» versuchte er, zusätzliche Gäste anzulocken. Doch der Schuldenstand wuchs weiter an, 1844 hatte er 52 Betreibungen und Pfändungen am Hals. Noch im November beschloss der Regierungsrat, dem «ökonomisch ruinierten» Mann das Tavernenrecht zu entziehen.

Konkurse und Schliessungen

In dieser Not entschloss sich einer der Söhne, der 30-jährige Isaak Meier, die «Sonne» ab 1845 auf eigene Rechnung zu betreiben, was die Regierung bewilligte. Doch auch der Sohn geriet bald in Konkurs und musste den Gasthof schliessen. Sieben Verwandte und Behördenmitglieder übernahmen die Konkursmasse und boten Isaak Meier eine zweite Chance zur Weiterführung.

Bereits 1847 folgte der neuerliche Konkurs mit Schliessung und Versteigerung. Schliesslich erwarb Daniel Hoffmann die Liegenschaft für 10 500 Franken. Er musste dem Regierungsrat drei Gesuche einreichen, bis er die Taverne Anfang 1848 eröffnen durfte. Drei Jahre später war er so überschuldet, dass er sich aus dem Staub machte, nach Amerika auswanderte sowie Frau und Kinder zurückliess.

Die Gattin Anna Barbara Hoffmann blieb zunächst als Wirtin tätig, bis Isaak Schatzmann das Haus 1852 für 8000 Franken ersteigerte und neben dem Gasthof auch Landwirtschaft und Fuhrhalterei betrieb. Sein Sohn Hans wurde Fürsprecher und von der Bundesversammlung 1881 zum Vizekanzler, 1909 zum Bundeskanzler gewählt. Die Tochter von Isaak Schatzmann, Elise, vermählte sich in zweiter Ehe mit Friedrich Fricker, welcher Gasthof und Bauernbetrieb 1885 übernahm.

Damit begann die Wirte-Ära Fricker, die bis heute andauert. Über Sohn und Schwiegertochter Fritz und Elise Fricker-Schaffner – Elise führte die Gaststube 50 Jahre lang mit viel Herzblut – gelangte die wunderschön renovierte «Sonne» an Sohn Hans und Martha Fricker-Stucki.

Es geht weiter aufwärts

Wiederum war es die Frau, die den Gasthof mit ebenso viel Herzblut und Gastfreundlichkeit führte. 1969 gab Hans den Landwirtschaftsbetrieb auf.

1954 wurde der Charakter der «Buure-stube» mit Holzverkleidungen weiter verstärkt, dann der Saal erneuert, der ebenfalls sehr beliebt war und vielseitig genutzt wurde. Früher diente er zeitweise sogar als Schulzimmer, Jugendfestlokal und Flüchtlingslager.

Die Tochter Christine Fricker betreibt den Gasthof nun seit 19 Jahren in vierter Generation tüchtig und herzlich, bis sie ihn Ende September aus gesundheitlichen Gründen schweren Herzens schliessen muss. Somit fehlt auch aktuell der Sonnenschein über der «Sonne» – eine gelegentliche Wiedereröffnung könnte die «Sonne» zur Freude und Hoffnung vieler erneut aufgehen lassen.