«Gestatten, mein Name ist Ursina-Sina vom Moosmüli, geboren am 7. Juni 2018. Ich bin also noch mega jung, aber schön – und wie! Nämlich so schön, dass mich meine Chefin Annegret Lautenbach aus Zumikon in den Geissenschachen gefahren hat, damit ich mir schon mal einen Platz für eine Wahl zu ‹Switzerland’s next Sennen-Top-Model› sichern kann. Allerdings – Hand aufs Hundeherz – ich war an dem Samstag schon ‹es bitz› überfordert.»

Kunststück: Als jüngste der Schau sah Ursina-Sina sich mit 140 weiteren Schönheiten konfrontiert, getauft auf Namen wie «Delight Prince von Bastenberg», «Amarone von Ricciolonero»,» «Janis Joplin Llobu astur», «Kiss me Kate von der Lueg», «Haischa Haribo von der Aareblume, «Armani Smilitynes Trispalvis». Aus Belgien, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Grossbritannien und sogar aus Lettland waren sie nach Brugg gebracht worden und hatten den Transport mit der Nonchalance von Weltreisenden überstanden.

Genau unter der Lupe

Die Pfoten, die in weissen Sandalen stecken und die Beine mit ihren braunen Strümpfen sind aber auch von imposanter Stabilität. Das schwarze, grossgelockte Fell hingegen ist seidenweich, schneeweiss sind das Jabot auf der Brust, der Schnauze, daneben die Blesse. Und – wetten, dass es um jeden geschehen ist, der einem Berner Senn in die Augen schaut? Da versinkt des Menschen Blick in einem Meer von Gutmütigkeit, Vertrauen und Zuneigung. «Der Berner Sennenhund ist ausgeglichen, intelligent, ruhig. Man kann ihn überallhin mitnehmen, seine Erscheinung erschreckt auch Menschen nicht, die keine Beziehung zu Hunden haben», sagt Züchterin Barbara Zaugg-Meyer aus Schwanden im Emmental und betont: «Zwingend für diese Hunde ist Familienanschluss.» Ihr viereinhalb Monate alter «King Balou vom Schwandendörfli» und dessen gleichaltriges Schwesterchen «Kopatchinskaja Sissi-Nala vom Schwandendörfli» sind sichtlich stolz auf ihre rote und blaue Rosette als zweit- und drittplatzierte in ihrer Kategorie.

Der eine und andere Vierbeiner dürfte heimlich gehofft habe, dass es bei der Jubiläumsschau «111 Jahre Klub für Berner Sennenhunde» um die Wurst gehen könnte. Weit gefehlt – es ging um Rangierungen. Fachrichter nahmen die Hunde in verschiedensten Kategorien genau unter die Lupe: Ist der Körperbau harmonisch, hat der Schwanz keinen Knick, stehen die Zähne korrekt , läuft er an der Leine mit seinem Herrchen oder Frauchen rhythmisch gut, und tut er das auch gerne und freudig?

Züchter Georg Woschitz aus dem österreichischen Kärnten, dessen 20 Monate alte «Lana vom Jauntal» es im Zwischenklassement auf den zweiten Rang geschafft hat, bringt es auf den Punkt: «Ein Berner ist ein Bauernhund, der etwas darstellen muss.» Das Geburtsgewicht liegt zwischen 450 und 500 Gramm; eine ausgewachsene Hündin bringt 40 bis -45 Kilo, ein Rüde bis 60 Kilo auf die Waage. «Er bewacht Haus und Hof, bellt fast nur, wenn jemand sein Areal betritt.»

Leistungsstarke Hunde

Bestens geeignet, vor Karren gespannt zu werden und Waren, vorab Milchkannen, zu transportieren, hatten die kräftigen und leistungsstarken Hunde als «Düribächler» 1902 ihren Siegeszug angetreten. Der Name stammte vom Weiler Dürrbach ob Riggisberg (BE) ab, wo die Vierbeiner einen besonders guten Ruf hatten. 1908 hatte der «Dürbächler» seinen Platz unter den anerkannten Hunderassen gefunden und sein Fortbestand war gesichert. Dem Drängen der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft, die Rasse in Angleichung an andere Schweizer Sennenhunde doch «Berner Sennenhunde» zu nennen, wurde aber erst 1913 stattgegeben.

Tatsächlich ist es weitestgehend ruhig im Geissenschachen. Zwar plaudern, lachen, fachsimpeln die Zweibeiner. Doch nur sporadisch ist ein Wuff-Wuff zu hören, wenn ein Vierbeiner unbotmässig in seinem süssen Traum von einer Rosette gestört wird oder seinen Schattenplatz verteidigen muss. Von der Tribüne verfolgt fast alleine Dackel «Marlin» das Geschehen. Auf dem Grill brutzeln Würste. Hinter der Kasse sitzt – mit flehendem Blick - «Clinton» neben seiner Chefin Regula De Bernardi aus Widen. Sie zeigt Erbarmen und holt von der Apéro-Platte für die offiziellen Zweibeiner ein Rugeli Hobelkäse, «Clintons» liebste Delikatesse.