Packende, prickelnde Lesungen, fesselnde, faszinierende Begegnungen: Dieses Wochenende stehen die Brugger Literaturtage an. Namhafte Autorinnen und Autoren aus der Schweiz und aus Deutschland werden erwartet.

Die Einladung an die Literaturtage erfolge aufgrund eines austarierten Systems, sagt Werner Bänziger, der Vorsitzende der Literaturkommission in Brugg. «Wir legen Wert darauf, dass sich schweizerische und ausländische Autorinnen und Autoren die Waage halten. Ebenso wichtig ist uns die Geschlechterparität.»

Ziel sei es, fährt Bänziger fort, mit der Zusammensetzung die zeitgenössische Literatur zu repräsentieren. Allerdings: «Inwiefern sich der Mix bewährt, lässt sich immer erst während der Literaturtage selber sagen.» An den letzten Literaturtagen vor zwei Jahren hätten die Literaten ausgezeichnet kooperiert. «Das führte unter anderem zu einer im Voraus nicht geplanten Diskussion über den Untergang des sozialistischen Staatensystems als Thema der Literatur. Ob wir heuer wieder eine so dynamische Zusammensetzung haben, lässt sich nicht voraussagen.»

Hürlimann hat abgesagt

Als Besonderheit ankündigen kann Bänziger den Besuch von Eugen Gomringer und Nora Gomringer. Es treten also nicht einfach eine Lyrikerin und ein Lyriker auf, stellt Bänziger fest, sondern Vater und Tochter. «Es freut uns sehr, den über 90 Jahre alten Dichter in diesem Setting nach Brugg bringen zu können.» Neu sei weiter eine Lesung in der Stadtbibliothek für Kinder am Samstagvormittag mit Michael Wildenhain. Einen speziellen Stellenwert für Bänziger haben die Sonntagsveranstaltung, die er moderieren wird, sowie die zwei Schreibwerkstätten am Donnerstag an den Kantonsschulen Baden und an Wettingen. In Baden arbeitet Annette Hug mit den Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, in Wettingen ist es Monique Schwitter.

Aber auch eine «sehr schmerzhafte» Absage mussten die Organisatoren zur Kenntnis nehmen. Der ursprünglich angekündigte Thomas Hürlimann hat sich aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen.

Subjektivität bestimmt Deutung

«Wer liest, erfindet neu ...», lautet das diesjährige Motto. Dieser Satz des französischen Literaten und Philosophen Roland Barthes soll für die Autorinnen und Autoren Anlass sein, über Verständnis und Missverständnis bei der Interpretation literarischer Werke nachzudenken, erklärt Bänziger und fügt an: «Dass es den Literaten an bedenkenswerten und mitunter auch merkwürdigen Erfahrungen nicht mangelt, kann vorausgesetzt werden.»

Barthes habe sich intensiv mit der Rezeption von Literatur beschäftigt. «Von ihm stammen so hintersinnige Sätze wie ‹Der Text entsteht im Kopf des Lesers› oder ‹Die Geburt des Lesers ist der Tod des Autors›», sagt Bänziger. «Er spricht damit an, dass Literaten die Kontrolle über ihr Werk verlieren, wenn es einmal veröffentlicht wurde. Was wir Leserinnen und Leser aus einem Werk herauslesen, ist nicht alleine subjektiv, aber unsere Subjektivität bestimmt die Deutung in hohem Masse.»

Froh, dass es losgeht

In der Regel finden 11 bis 13 Sitzungen der Literaturkommission statt, bis das Programm steht, wie es nun vorliegt, führt Bänziger aus. Nach dem relativ langen Vorlauf ist er gespannt, «ob sich unsere Erwartungen und jene des Publikums erfüllen. Letztlich sind wir, ich spreche hier für die Literaturkommission als Ganzes, froh, wenn die Tage beginnen: Dafür haben wir ein Jahr lang gearbeitet.»

Bisher seien die Reaktionen auf das Programm positiv. Die Literaturinteressierten freuen sich auf interessante Gespräche. Die Erfahrungen zeigen laut Bänziger, dass das Ambiente in Brugg sehr geschätzt wird. Zu verdanken sei dies nicht zuletzt dem grossartigen Engagement der Teams von Salzhaus und Odeon.