In gut zwei Jahren sollte es soweit sein. Dann werden die über 100 Paten und Gönner des Weinbergs am Rebebänkli in Wohlen ihre ersten Flaschen entkorken. Sie werden den optimal temperierten (10 bis 12 Grad) Souvignier Gris in ein edles Weinglas giessen und den goldgelben Weissen mit seinem zarten Aroma von süsslichen Äpfeln, Honigmelone, Aprikosenkonfi und Quittensaft vom Auge zur Nase führen. Zunge und Gaumen werden unter leichtem Schlürfen, sanftem Schnalzen und langsamem Schlucken eine feine, fruchtige Säure und zarte Gerbstoffstruktur vermelden, die dem gut strukturierten Wein, einer Kreuzung aus Cabernet Sauvignon und Bronner, einen nachhaltigen Abgang verschaffen wird.

Soweit der önologische Wunschtraum, für den sich die Wohler Freizeitwinzer Hannes Bigler und Stefan Weber mächtig ins Zeug legen. Fachlich beraten von Weinbauer Bruno Hartmann aus Remigen, der den Wein auch keltern wird, sollte dem Traum vom ersten Eigengewächs ab dem Rebebänkli seit 1910 nichts mehr im Wege stehen. Die im Mai 2017 gepflanzten 120 Weinstöcke, könnten einen Ertrag von 150 bis sogar 200 Litern Wein bringen, meinen die Fachleute. Verglichen mit den 150 000 Litern, die im Spitzenjahr 1782 von den damals rund 80 Weinbauern Wohlens in die Trotte gebracht wurden, liest sich das vielleicht mager. Aber hinter diesen paar Litern Wein stecken eine Idee und ein Engagement, die vom ideellen Wert her mit keinem Parker-Überflieger der Welt aufgegossen werden können.

Alte Tradition wiederbelebt

Peter «Pitsch» Isler, Präsident des Gemeinnützigen Ortsvereins Wohlen (GOV), erzählte am Mittwochabend vor versammelter Patenschaft und Behördenvertretern sehr launig, wie aus einer eigentlichen Bieridee heraus das Projekt «Rebberg beim Rebebänkli» entstand. GOV-Finanzchef Ernst Hochstrasser bestätigte, dass sie bei der ersten Besprechung tatsächlich Bier und nicht Wein getrunken hätten. Dennoch war der ganze GOV begeistert von der Idee, den in Wohlen seit dem 17. Jahrhundert nachgewiesenen und für viele Menschen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts existenziellen Weinanbau wiederzubeleben. Dafür standen dem Verein am Rebenweg, mitten im Wohngebiet am Rebebänkli, 269 m2 besten Bodens zur Verfügung.

Rebberg ist ganzes Ökosystem

Aus dem Flecken Land machten die Initianten, mit Unterstützung der Kommission für Natur- und Landwirtschaft der Gemeinde Wohlen, ein eigenes Ökosystem. Darin bieten Trockenmauern mit ihren Ritzen und Hohlräumen sowie Hecken, Steinhaufen und Wildblumen Lebensräume, etwa für Echsen, Reptilien, Insekten und Vögel. Dass der Saft vom Weinberg auch die Lebensgeister der Menschen beflügelt, sei dabei nur am Rande erwähnt.

Die grossen Steinblöcke, die dem Rebebänkli seinen Namen gaben, laden immer noch zum Sitzen ein. Auch das Muschelkalkmäuerchen am Rebenweg ist ein schöner Ruheplatz, um die Aussicht zu geniessen und vielleicht auch einen Blick auf die Informationstafel zu werfen. Den neuen GOV-Vorstandsmitgliedern, Daniela Colacino-Meyer, Corinne Moser-Burkard und Andy Wyder, kam die Ehre zu, das Ehrenmal zu enthüllen. Darauf sind auch die Namen all derer vermerkt, die das Projekt als Paten oder Gönner unterstützt haben. Die untergehende Sonne tauchte die Szene in ein warmes, rot-goldenes Licht, als die Festgemeinde ihre Gläser auf ein gelungenes Projekt erheben durfte.