Es ist ein kleiner Triumph für die Aarburger Gemeinderätin und SVP-Grossrätin Martina Bircher. Im Mai verkündete sie stolz, dass Aarburg die Spitex-Kosten habe halbieren können. Die Gemeinde hatte den Auftrag für Spitex-Dienstleistungen ausgeschrieben und ihn an einen privaten Anbieter – jenen mit dem günstigsten Preis – vergeben. Nun schlagen der Aargauische Gewerbeverband  (AGV) und die Industrie- und Handelskammer  (AIHK) als Sparmassnahme genau das vor. Sie sind überzeugt, dass die Aargauer Gemeinden mittelfristig 10 Millionen Franken pro Jahr sparen könnten, wenn die «Versorgungspflicht der Spitex mit vorgängiger Prüfung der Notwenigkeit» ausgeschrieben würde. Erst durch eine Ausschreibung könne der Marktpreis für die Leistung herausgefunden werden, sagte AIHK-Präsidentin Marianne Wildi am Montag, als die Wirtschaftsverbände ihre Forderungen im Hinblick auf das totalrevidierte Spitalgesetz vorstellten.

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Für den Spitex-Verband Aargau geht diese Rechnung nicht auf. Präsidentin Rebekka Hansmann sagt: «Wenn es in diesem Bereich überhaupt einen Markt gibt, der spielen könnte, dann nur im Kleinen.» Private Spitex-Organisationen seien nicht in der Lage, grössere Einzugsgebiete abzudecken. «Gerade diese Grösse braucht es aber, um die laufend steigenden Anforderungen an die Spitex effizient zu meistern.»

Sparen beim Personal

Der Spitex-Verband war bereits skeptisch, als das Aarburger Modell als Wundermittel gegen die steigenden Gesundheitskosten präsentiert wurde. Der Verband warnte damals vor hohen Folgekosten. Diese Warnung kann Hansmann nur wiederholen. Der grosse Teil der Kosten – 85 bis 90 Prozent – falle bei der Spitex beim Personal an. «Spart man in diesem Bereich zusätzlich, können insbesondere Menschen mit komplexem Pflegebedarf nicht mehr zu Hause versorgt werden.» Als Folge komme es vermehrt zu stationären Aufenthalten, was eine deutliche Kostenzunahme für die öffentliche Hand bedeute. Das sei genau das Gegenteil der Strategie «ambulant vor stationär».

Auch die SP Aargau kritisiert den Sparvorschlag in einer Mitteilung: «Wenn die Anbieter ihre Kosten durch tiefe Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen senken, führt das letztlich zu schlechteren Leistungen.»

Dem widerspricht SVP-Grossrat Clemens Hochreuter. Das Beispiel Aarburg zeige, dass das Modell funktioniere. «Ich habe bis jetzt noch von keinen Reklamationen gehört – weder von Betroffenen noch von Angehörigen.» Das kann Martina Bircher bestätigen. Sie hätten die Qualität sogar steigern können. Bircher und Hochreuter begrüssen die Forderung der Wirtschaftsverbände, die Leistungen auszuschreiben und zusätzliche Player zuzulassen. Hochreuter ist überzeugt, dass Konkurrenz belebt. «Es gibt mehrere private Anbieter, die eine Chance verdient haben.» Der Markt spiele überall, sagt auch Martina Bircher. Das habe sich in Aarburg gezeigt. Um die Qualität machen sich der SVP-Grossrat und seine Parteikollegin keine Sorgen. «Keine Behörde kann es sich leisten, die Qualität nicht hochzuhalten», sagt Hochreuter.