Der Aargau will sich zum Hightech-Kanton mausern. Die Regierung unterstützt dieses Ziel mit einer Hightech-Strategie, deren «Vater» und treibende Kraft Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann ist.

Teil davon ist das Hightech Zentrum Aargau (HTZ) mit Sitz in Brugg. Das mit dem Segen des Parlaments 2012 gegründete HTZ soll den Know-how-Transfer zwischen kleinen, mittleren und internationalen Firmen sowie Hochschulen und Forschungseinrichtungen unterstützen und zusätzliche Innovationen ermöglichen.

Nächste Woche wird die Regierungsrats- Folgebotschaft mit einem Verpflichtungskredit für die Weiterführung von Hightech Aargau bis 2022 erwartet.

Mit Blick darauf hat die «Stiftung Hans Letsch» ein Positionspapier an alle Fraktionspräsidien im Grossen Rat verschickt.

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Entstanden ist es auf Ersuchen der überparteilichen Gewerbegruppe im Grossen Rat, wie Stiftungs-Vizepräsident und Transportunternehmer Hans-Jörg Bertschi im Begleitbrief schreibt. Der Brief und das Positionspapier liegen der az vor.

Verfasst wurde es vom ehemaligen CVP-Grossrat und Stiftungsrat Benedikt Lüthi.

Der Stiftung gehören u. a. der Vizepräsident des Grossen Rates, Benjamin Giezendanner (SVP), der SVP-Fraktionschef im Grossen Rat, Jean-Pierre Gallati, die FDP-Grossräte Josef Bütler und Silvan Hilfiker, Markus Letsch sowie weitere Politiker und Unternehmer an. Präsidiert wird sie neu vom ehemaligen FDP-Fraktionspräsidenten im Grossen Rat, Daniel Heller.

«2,5 statt 5 Millionen Franken»

Gemäss Budget 2015 (der Geschäftsbericht 2015 liegt noch nicht vor) waren für das Hightech Zentrum Aargau über 5 Millionen Franken eingesetzt, heisst es im Papier.

Lüthi: «Dem stehen 2015 4,45 Millionen Franken an ausgelösten Investitionen gegenüber. Es ist offensichtlich, dass eingesetzte Kosten und ausgelöste und begleitete Investitionsvolumen in keinem gesunden Verhältnis stehen.»

Generell fehle eine sichere Faktenbasis über die Leistungsfähigkeit des Hightech Zentrums, kritisiert Lüthi namens der Stiftung weiter, da vor allem über Aktivitäten, aber kaum über konkrete Ergebnisse berichtet werde.

Dass durch 12 Technologie- und Innovationsexperten nur Beraterleistungen für 100 000 Franken verkauft wurden, sei «enttäuschend gering». Dem HTZ fehle ganz offensichtlich die Marktfähigkeit.

Die Stiftung fordert messbarere Ergebnisse und ein Reporting, welches darüber Auskunft gibt. Zudem schlägt sie eine Anpassung des Hightech Zentrums «auf eine vernünftige Grösse» vor:

Statt der heute 16 Mitarbeitenden wären 6 bis 8 Mitarbeitende und eine Halbierung des Etats von 5 auf 2,5 Millionen Franken «weit angemessener und vernünftiger».

Weiter empfiehlt die Stiftung dem Grossen Rat, eine allfällige weitere Finanzierung des Hightech Zentrums mit der Forderung nach einer höheren Selbstfinanzierung zu verknüpfen.

Lüthi: «Ein Beraterumsatz von 800 000 Franken pro Jahr mit 6 bis 8 Innovationsberatern ist ein absolut realistisches Ziel. Die Dienstleistungen dürften ruhig auch etwas kosten, denn nur was kostet, hat auch einen Wert.»

Diese Forderung sei auch mit Blick auf die schwierige finanzielle Situation des Kantons berechtigt.

Der Einwand, so müsste das HTZ private Beratungsbüros konkurrenzieren, zählt für die Stiftung nicht: «Dieses Argument ist bei einem Volumen von knapp 0,8 Millionen Franken pro Jahr vernachlässigbar.»

Zudem gebe es kaum private Beratungsunternehmen, die im Bereich der technischen Innovationsberatung nur auf den Aargau fokussieren.

Volkswirtschaftlicher Nutzen als Ziel

Was sagt HTZ-Geschäftsführer Martin Bopp zu dieser Kritik? Er verweist darauf, dass sich das Papier der Stiftung auf noch nicht definitiven Zahlen und auf solchen aus der Regierungsbotschaft 2012 abstütze.

Bopp: «Aufgrund zweier Sparprogramme haben wird deshalb für fünf Jahre nicht wie geplant 25, sondern 18,6 Mio. Franken zur Verfügung. Auch arbeiten bei uns 16 Personen, die sich 11 Vollzeitstellen teilen. Geplant sind jetzt insgesamt ca. 14–15 Vollzeitstellen.»

Das HTZ sei erst seit gut zwei Jahren richtig operativ tätig: «Konkrete entsprechende Kenn- bzw. Erfolgszahlen für diese kurze Zeit sind deshalb nicht möglich.»

Müsste es zudem richtig Geld verdienen, würde es private Anbieter konkurrenzieren.

Bopp: «Das wäre politisch sehr heikel. Zudem müssten wir uns dann wohl auf grosse Firmen konzentrieren, die Geld haben, unsere Arbeit aber eigentlich nicht nötig haben. Darunter leiden würden die vielen kleinen und mittleren Betriebe, die wir heute beraten, und die sich Tagesberatersätze von 1200 Franken nicht leisten können.»

Deshalb müssen Firmen für die ersten fünf Beratertage nichts zahlen, erst ab dann kostet eine Stunde 140 Franken. Bopp verweist darauf, dass andere Kantone, etwa die Zentralschweiz, dem Aargau hier inzwischen nacheifern.

Das HTZ finanziert Machbarkeitsstudien, um herauszufinden, ob etwas überhaupt funktionieren würde: «Wenn eine Firma da mehr weiss, investiert sie vielleicht eher.»

Effektiv messbar seien für 2015 ausgelöste Primärinvestitionen (direkte Leistungen an die Hochschulen, die Hälfte vom Bund, und Eigenleistungen der beteiligten Firmen) von 4,9 Millionen.

Dass und welche Gelder man beim Bund für Innovationen «abholen» kann, wüssten viele nicht. Auch hier seien die HTZ-Berater hilfreich: «Die Unternehmen werden im Verlauf der weiteren Entwicklungsschritte noch viel mehr in diese Projekte investieren.»

Falls das HTZ weiter etwa so viele Mittel hat wie jetzt, ist Bopp überzeugt, damit künftig das Zwei- bis Dreifache alleine an Primärinvestitionen auslösen zu können, also rund 60 Millionen Franken.