Am Strassenrand steht ein Schild. In grossen, weissen Buchstaben wird ein Hofladen beworben. «Most, Äpfel, Zwetschgen, Eier, Milch», steht darauf. Es kommt Lust auf, in einen frischen Apfel zu beissen, ein Glas regionale Milch zu trinken. Der Laden ist unbedient, ein Kässeli steht auf dem Tisch. Dann der Blick ins Portemonnaie: Einige Fünfräppler liegen dort einsam neben Kredit- und Debitkarten. Also doch zum Supermarkt.

Diese Situation kennen wohl viele. «Wir haben regelmässig Kunden, die etwas kaufen wollen, aber nur ihre Karten dabei haben», bestätigt Claudia Moor vom «Hof auf dem Rümlisberg» in Vordemwald. Deshalb macht sie mit ihrem Hof nun bei einem Pilotprojekt mit. Twint, der Anbieter einer Smartphone-App für digitales Bezahlen, hat zusammen mit dem Schweizer Bauernverband über 30 Aargauer Hofläden mit dem Bezahlsystem ausgestattet.

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Claudia Moor ist von der Idee begeistert. Schon am 1. August hat sie Twint als Bezahlmöglichkeit für den Bauernbrunch verwendet. Und war erstaunt, wie viele Leute davon Gebrauch machten. «Man muss mit der Zeit gehen», findet sie. «Dieses Projekt zeigt auch, dass wir Bauern innovationsfähig sind und auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen.»

«Die Nachfrage nach digitalem Bezahlen auf Bauernhöfen ist tatsächlich sehr gross», erklärt Andrea Oldani vom Schweizer Bauernverband und Projektleiterin von www.vomhof.ch. Sie hat das Projekt gemeinsam mit Twint seit dem letzten Herbst ausgearbeitet. Und zeigt sogleich, wie das System funktioniert.

Viele Kunden haben kein Bargeld dabei

An einer Wand des Hoflädeli klebt ein Sticker mit einem QR-Code. Daneben die Anleitung: Twint-App auf dem Smartphone öffnen, Code scannen, Totalbetrag eingeben. Und schon sind die Produkte mit einem Fingerabdruck bezahlt. Grundsätzlich funktioniert Twint so: Twint-Nutzer verbinden dabei die App mit ihrem Konto. Das Geld, das die Nutzer dann senden oder empfangen können, wird auf diesem Konto gutgeschrieben oder abgebucht. Neben dem Problem, dass viele Kunden kein Bargeld mit sich tragen, hat diese Methode noch einen weiteren Vorteil: «Falls die Kasse mal geklaut werden sollte, wäre der Verlust kleiner», so Moor.

Doch nicht jeder mögliche Kunde hat die Twint-App auf seinem Smartphone installiert. Also weshalb nicht einfach ein Kreditkartenterminal aufstellen, das alle nutzen könnten? «Das wäre viel aufwendiger», so Moor. Bei der Bezahlmethode via App brauche man lediglich einen QR-Code. Den kann man auch problemlos überall mitnehmen. Ein Kartenterminal braucht eine Stromversorgung, ausserdem könnte das Gerät beschädigt werden, wenn es im Hofladen steht.

Im November wird sich der Bauernverband mit Twint und den Aargauer Bauern zusammensetzen und weitere Schritte besprechen. Wenn die Kundschaft die neue Möglichkeit nutzt und der Versuch gut läuft, könnten alle Schweizer Bauern, die auf www.vomhof.ch registriert sind, das neue Bezahlsystem in ihren Läden nutzen.