Genau konnte er sich zwar nicht mehr erinnern. Aber wahrscheinlich hat sich die Geschichte ungefähr folgendermassen ereignet: In der Nacht vom 4. auf den 5. August 2017 nahm der Beschuldigte an der «Fun Beach Volleyparty» in Hendschiken teil. Eigentlich habe er das Auto zu Hause lassen wollen, sagte der 28-jährige Servicetechniker vor dem Bezirksgericht Lenzburg. Er habe mit Kollegen fahren wollen. Irgendwie hat man sich aber verpasst; er nahm dann doch das Auto für die Fahrt vom Wynental nach Hendschiken.

Der Wynentaler spielte in einer Mannschaft aus seinem Betrieb mit, auch sein Vorgesetzter war mit dabei. Und der sei in jener Nacht recht grosszügig gewesen mit dem Spendieren von Bier und anderem Alkohol. Wenn der Chef schon spendabel sei, dann müsse man doch fast mitmachen, sagte der Beschuldigte.

So berichtet TeleM1: Vor Gericht, weil betrunken bei laufendem Motor im Auto übernachtet

   

Was denn da so im Verlauf der Nacht zusammengekommen sei, wollte Gerichtspräsident Daniel Aeschbacher wissen. Mindestens vier Liter Bier und ziemlich viel Hochprozentiges, sagte der Beschuldigte.

«Mit anderen Worten: Sie waren voll bis zur Oberkante des Unterkiefers», konstatierte Aeschbach. Der Wynentaler nickte bestätigend.

Erst komatös, dann renitent

Bald war der Wynentaler sturzbetrunken und nicht mehr spielfähig. Er verliess die Party und torkelte auf den Parkplatz, wo er sich in seinem Auto schlafen legen wollte. Doch soweit schaffte er es nicht mehr. Ein Mann vom Sicherheitsdienst fand ihn bewusstlos auf dem Parkplatz. Mithilfe des Sanitätsdienstes wurde der betrunkenen Wynentaler geweckt, der Sicherheitsmann riet ihm, er solle sich jetzt ins Auto setzen – und zwar auf die Beifahrerseite – und erst mal eine Weile lang schlafen. Und er solle auf keinen Fall den Motor anlassen. Doch der Beschuldigte setzte sich auf den Fahrersitz, liess den Motor laufen und fiel in einen komatösen Schlaf.

Inhalt nicht unterstützt

Dieser Inhalt ist leider nur auf unserer regulären Webseite verfügbar. Klicken Sie unten um direkt weitergeleitet zu werden.

zur regulären Website

Um 5 Uhr wurde er entdeckt. Weil man Schlimmes befürchtete, kam die Ambulanz zum Einsatz, dann auch die Polizei. Um 6.15 Uhr ergab der Alkoholtest noch immer 1,62 Promille.
Von all dem wusste der Wynentaler nichts mehr. Vielmehr erzählte er dem Gericht von Halluzinationen, die er im Rausch durchlebt habe; er sei überzeugt gewesen, man wolle ihn entführen. Entsprechend renitent hat er sich gegen über Polizei und Sanität gezeigt. Die Rettungskräfte mussten zur Rettung des betrunkenen Mannes die Scheiben seines Fahrzeugs einschlagen.

Er wollte ja nur schlafen

Strafbar habe sich der Wynentaler deshalb gemacht, weil in angetrunkenem Zustand versucht habe, mit dem Auto wegzufahren; er sei nur nicht gefahren, weil er vorher eingeschlafen sei,
argumentierte die Staatsanwaltschaft. Sie verlangte eine bedingte Geldstrafe und eine Busse von 800 Franken aus.

Der Anwalt des Wynentalers entgegnete, der Beschuldigte sei dermassen betrunken gewesen, dass man von einer eigentlichen Zurechnungsunfähigkeit reden müsse. Zudem habe der Mann nach feucht-fröhlichem Ausgang schon oft im Auto geschlafen.

Gerichtspräsident Daniel Aeschbach sprach den Wynentaler frei, weil er es als erwiesen erachtete, dass dieser nicht die Absicht hatte zu fahren, sondern einfach nur schlafen wollte. Ganz ungeschoren kam er aber trotzdem nicht davon: Er muss eine Ordnungsbusse von 60 Franken für unnötiges Laufenlassen des Motors bezahlen.

Bleibt nachzutragen: Der freigesprochene Wynentaler ist auch immer wieder als Fahrer bei der Aktion «Nez Rouge» im Einsatz. Und noch dies: An der «Fun Beach Volleyparty» in Hendschiken war das Team des Beschuldigten sportlich nicht besonders erfolgreich. Sie verlor sämtliche Spiele.