Die Beschriftung der Klinge eines roten Schraubenziehers. Die hatte den Leimbacher Rolf Merz (64) vor über einem Vierteljahrhundert fasziniert. Sie war nicht etwa einfach geprägt, sondern gelasert. Lasertechnik steckte Anfang der 1990er-Jahre noch in den Kinderschuhen, trotzdem war sich Merz sicher, dass ihr eine grosse Zukunft bevorsteht. Er gab seinen Job auf, kaufte mit seinen Ersparnissen eine Laseranlage und fing als Ein-Mann-Betrieb im Keller seines Einfamilienhauses an zu lasern. Die Firma Rofam – was für Rolf und Fanny Merz steht – war geboren.

Ersatzteillager wird beschriftet

25 Jahre später steht Rolf Merz mit seinem Sohn Andreas (38) vor der neusten Errungenschaft der Firma Rofam: einem Pikosekunden-Kaltlaser im Wert von 250 000 Franken. Dieser Laser erzeugt Lichtimpulse im Bereich einer Billionstel-Sekunde und wird dazu eingesetzt, metallische Werkstoffe tiefschwarz und korrosionsbeständig zu beschriften. «Wir sind zurzeit die Einzigen in der Schweiz, die ein solches Gerät für diese Anwendung einsetzen», sagt Rolf Merz.

Die Firma Rofam ist mittlerweile eines der führenden Industriebetriebe im Bereich Medizinaltechnik und beschäftigt 12 Mitarbeiter. Die Leimbacher sind auf industrielles Schweissen, Beschriften und Gravieren von Metall- und Kunststoffteilen mittels Lasertechnik spezialisiert und erwirtschaften rund 70 Prozent ihres Umsatzes mit der Bearbeitung von chirurgischen Instrumenten und Implantaten für die weltweite Medizintechnik. «Wir beschriften fast das ganze menschliche Ersatzteillager», erklärt der gelernte Maschinenmechaniker. Dazu kommen Werkzeuge oder Operationssets für Chirurgen. Vor rund zehn Jahren kam ein weiterer Arbeitsbereich dazu: das Laserschweissen.

Im Weltall unterwegs

Die hochkomplexen Arbeiten der Rofam sind für einen Laien schwer zu begreifen. Kaum jemand weiss, was alles beschriftet oder verschweisst werden kann. Beeindruckend ist die Aufzählung der Gegenstände, die alle schon in Leimbach bearbeitet wurden. So wird im Wynental etwa das Unterwassernavigationssystem für Bohrinseln verschweisst oder Teile, die zum Mars fliegen, gelasert. «Wir arbeiten regelmässig mit dem Paul-Scherrer-Institut und den Universitäten Bern, Zürich oder Luzern», sagt Merz.

Angesprochen auf den Gegenstand, auf den er während seiner 25-jährigen Tätigkeit besonders stolz war, bearbeitet zu haben, muss der Patron lange überlegen. Schliesslich kommt er zum Schluss: «Es ist weniger ein Gegenstand, auf den ich stolz bin, sondern dass es gelungen ist, aus dem Keller heraus ein erfolgreiches Unternehmen zu werden.»

Jubiläumsfeierlichkeiten

Und dann erzählt er doch noch voller Stolz den «Schlüsselmoment» seiner beruflichen Laufbahn. Anfang 2000er sei ein Aufschrei durch die Medizinalbranche gegangen. «Man hat festgestellt, dass nach mehrmaligem Sterilisieren von Instrumenten die Beschriftung anfängt zu rosten.» Merz hat angefangen, nach einer Lösung zu suchen, und hat dabei herausgefunden, dass dies bei einer kreuzungsfreien Schrift nicht passiere. Seither kommt bei der Beschriftung von Instrumenten diese spezielle Schrift zur Anwendung.

Noch ein Jahr und drei Monate ist Rolf Merz der Chef der Rofam, danach übernimmt Sohn Andreas. Dieser ist ebenfalls gelernter Maschinenmechaniker und seit neun Jahren im Unternehmen tätig. Ganz zur Ruhe setzen will sich Merz 2020 aber noch nicht. «Ich werde der Firma weiterhin beratend zur Seite stehen.» Daneben engagiere er sich im Reinacher Sportladen «District 12», den seine Tochter zusammen mit ihrem Partner führe. Bis dahin hat der Geschäftsführer aber noch viel vor. So steht morgen der Tag der offenen Tür an der Industriestrasse in Leimbach an, wo Besucher anlässlich des Jubiläums in die Welt der Lasertechnik entführt werden.