Der Müheler Wald existierte lange, bevor er zum Müheler Wald wurde. Keine Ära dürfte für den Wald jedoch so einschneidend gewesen sein, wie jene, die vor 450 Jahren begann. Damals erlangten die Müheler rechtlich Besitz ihres Waldes. Manche Suhrentaler Gemeinde kam erst offiziell in den Besitz des nahen Waldes, indem sie diesen den Berner Eroberern abkaufte. Für den Müheler Wald existiert keine Kaufurkunde. Als «Geburtsjahr» gilt 1568, das Jahr, als der Wald Muhen in einem Dokument zum ersten Mal erwähnt wurde.

Seither hat er den Mühelern Weideland, Bau- und Brennholz geliefert. Zeitweise bedienten sich die Menschen so gierig am Wald, dass er auf einen winzigen Bestandteil zusammenschrumpfte. Das viertägige Fest zu 450 Jahren Wald Muhen ab kommendem Donnerstag nutzt die Gemeinde denn auch, um seiner grünen Lunge für alle erbrachten Leistungen zu danken. Und von diesen gab es nicht wenige. «Im 16. Jahrhundert liessen viele Anwohner, die kein eigenes Land hatten, ihre Ziegen und Schweine im Wald weiden. Der Waldboden war deshalb völlig kahlgefressen», sagt Förster Urs Gsell vom Forstbetrieb Muhen-Hirschthal-Holziken. Er gehört zum OK des Waldfestes und hat einen Erlebnisparcours gestaltet, den die Festbesucher einweihen werden. Auf diesem erfahren sie, wie der Mensch den Wald im Laufe der Jahrhunderte genutzt hat. Im 17. Jahrhundert, sei massiv abgeholzt worden. Man habe Holz als Brennstoff gebraucht und Kulturland, um Ackerbau zu betreiben und Tiere weiden zu lassen. «Die Schweiz hatte damals nur noch 17 Prozent Wald, halb so viel wie heute», sagt Gsell.

Köhlerhandwerk im Parcours

Mit stetig wachsender Bevölkerung habe man auch im 18. Jahrhundert viel Holz als Energielieferant benötigt. Wie daraus Kohle gemacht wurde, können die Besucher an einem Posten des Erlebnisparcours sehen. «Dies, sofern es erlaubt ist, Feuer zu machen», sagt Gsell. Einen Vorwurf könne man den Ahnen aber nicht machen: «In jeder Epoche haben die Menschen den Wald so genutzt, wie es für sie eben nötig war.» Wie man es schafft, heute schonender mit dem Wald umzugehen, kann an einem weiteren Posten spielerisch erlernt werden.

Eröffnet wird der Erlebnisparcours am Donnerstagmorgen. Am Freitag um 19 Uhr beginnt der gesellige Teil mit Bieranzapfen, um 20 Uhr spielt die Musikgesellschaft Muhen. Am Samstag um 14:30 stellt Dorfchronist Kurt Rey seine Jubiläumsschrift «450 Jahre Wald Muhen» vor. Am Samstagabend gibts ab 18.30 Rockkonzerte, am Sonntag singt Sandra Rippstein ab 15 Uhr.

Mehr Informationen zum Fest gibt es hier.