Der Oberstufenstandort Gontenschwil hat schlechte Karten. Dies liess in den vergangenen Wochen nicht nur die öffentliche Debatte über die Schullandschaft im Kanton Aargau erahnen.
Die Projektpläne der Kreisschule aargauSüd (1000 Schüler und 150 Lehrpersonen) sehen vor, dass von den elf am Projekt beteiligten Gemeinden Gontenschwil als einzige ihren bestehenden Schulstandort aufgeben muss. Diese Tatsache stiess auf Widerstand. Der Souverän und auch der Gemeinderat lehnten den Beitritt an ihrer Gemeindeversammlung im Juni ab. Die Gespräche wurden eingestellt. Von weiteren Schritten der Gontenschwiler war bis anhin nichts bekannt.

Nun wird die Diskussion wegen der regierungsrätlichen Antwort auf den Vorstoss von Grossrätin Kathrin Hasler (SVP) wieder angestossen (AZ vom 27.8). In ihrer Interpellation wollte Hasler mehr über die Haltung der Exekutive in der Frage der Regionalisierung der Schullandschaft erfahren. «Wie steht der Regierungsrat dazu, dass in der Regel die Landgemeinde den Schulstandort verliert?» Oder: «Wäre es nicht sinnvoll, auch im Sinne der Kosteneffizienz, vorhandene Schulhäuser zu nutzen?» Diese und weitere Fragen stellte Hasler zusammen mit 25 Ratsmitgliedern der Regierung.

Zur Zusammenarbeit verpflichtet

In ihrer Antwort vom 24. August demonstrierte die Aargauer Regierung nochmals Härte, was auch klare Signale in Richtung Gontenschwil gesandt haben dürfte. Mit der Reform «Stärkung der Volksschule» habe das Aargauer Stimmvolk 2012 mit einem Ja-Anteil von 78 Prozent sowohl die Oberstufe auf drei Jahre verkürzt als auch neue Mindestgrössen für die Schulstandorte festgelegt. «Eine Konzentration zu grösseren Standorten führt tendenziell zur Auflösung von kleineren Schulstandorten. Dem Regierungsrat ist bewusst, dass dies in der Regel eher kleinere Landgemeinden betrifft», heisst es in seiner Antwort. Gemeinden in einer Region seien zur Zusammenarbeit verpflichtet. «Erst wenn sich die Gemeinden untereinander nicht einig werden, schreitet der Kanton ein», so der Regierungsrat. Gefährdete Standorte dürfen nicht darauf hoffen, eine Sonderbewilligung zu erhalten, erklärt der Regierungsrat weiter.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Gemeinde Gontenschwil, die sich vor allem vor einem leerstehenden Schulhaus fürchtet, dürfte die folgende Aussage sein: «Als Möglichkeit kann eine Kreisschule mittels Vertrag oder Verband gebildet werden, in welcher die Schulinfrastruktur auch über die Gemeindegrenze hinaus genutzt werden kann.» Dies ist etwa für Oberkulm vorgesehen.

«Aufrechterhaltung aussichtslos»

Landammann und Bildungsdirektor Alex Hürzeler (SVP) hat zudem in einem Interview mit dem «Wynentaler Blatt» Stellung zur aktuellen Lage im Projekt Kreisschule aargauSüd genommen. Darin zeigt er sich zum einen optimistisch, dass in Birrwil bald eine Lösung vorliegt. «Sei es mit einem Oberstufenstandort im Wynen- oder im Seetal.»

Zum anderen rate er Gontenschwil, das Gespräch mit den Verantwortlichen der Kreisschule aargauSüd fortzusetzen. «Damit, sobald der Vertrag der Kreisschule Homberg ausläuft, eine gute Nachfolgelösung gefunden werden kann.» Wichtig seien ja auch die Mitspracherechte in den Kreisschulverbänden. Die Botschaft an Gontenschwil ist unmissverständlich: «Das Aufrechterhalten eines eigenen Oberstufenstandortes ist mit den geltenden Gesetzesbestimmungen und den zu erwartenden Schülerzahlen aussichtslos.»

Schöne Schulanlage

Und was sagt Gontenschwil zu diesen Fakten? «Es geht im Moment nicht darum, dass wir Schulstandort bleiben wollen oder können. Es geht darum, unsere schöne und bestausgerüstete Schulanlage in der Kreisschule aargauSüd einbringen zu können», sagt Frau Gemeindeammann Renate Gautschy (FDP) auf Anfrage.

«Solidarische Lösung»

In der kommenden Woche fänden Gespräche mit dem Projektteam der Kreisschule aargauSüd statt. «Wir streben eine Teilnutzung unserer Schulanlage an, mit mindestens drei Abteilungen», so Gautschy weiter. Wenn die Schülerzahlen wie angekündigt steigen würden, dann mit mehr Abteilungen. «Der Gemeinderat geht absolut zuversichtlich in das Gespräch und ist optimistisch, dass eine solidarische Lösung für die Region gefunden wird», sagt die Gemeindepräsidentin. Der Bildungsdirektor sei ebenfalls über die Aufnahme der Gespräche informiert.