Natürlich ist der Wald in Muhen älter als 450 Jährchen. Dem Autor der Festschrift, Ehrenbürger Kurt Rey, ging es darum, die erste schriftliche Erwähnung ausfindig zu machen und die Geschichte des Waldes durch die Jahrhunderte zu dokumentieren. Erstmals erwähnt ist der Wald in einem Bodenzinsurbar aus dem Jahr 1568. Darum 450 Jahre.

Das Jahr 2018 bot Anlass zu einem Jubiläumsfest, und Förster Urs Gsell biss an. Und wie! Was er mithilfe seiner Leute auf die Beine gestellt hat, verdient ebenso Respekt wie die jahrelange akribische Forschungsarbeit von Kurt Rey. Der Erlebnisparcours ist auch ein Gang durch die Geschichte der Waldnutzung. So erfährt man, dass früher die Bäume nur so gross gehalten wurden, dass man sie mit der Axt, «über Jahrhunderte das einzige Hilfsmittel», fällen konnte.

Gsell bedient sich Reys Schrift, wenn er erzählt, wie Frevler bestraft wurden. Das ging bis zum Abschlagen «von Haut und Haar», wenn einer mehrfach in fremden Gewässern gefischt, geschütztes Holz geschlagen, blühende oder fruchttragende Bäume gefällt oder Marksteine ausgegraben hatte. Allerdings konnten Reichere sich von der Strafe loskaufen.

Das Pferd als Waldarbeiter

Der Parcours zeigt eine über 460-jährige Lärchenscheibe, aber auch «Früchte» des Waldes wie Honig, Buchecker, Eichenrinde und Eicheln. «Auf den Eichen wächst der beste Schinken», zitiert er ein Sprichwort und spielt darauf an, dass man aus Eicheln nicht nur Kaffee gemacht, sondern sie vor allem Schweinen verfüttert hat.

Im Wald wachsen Heilpflanzen und er war einst auch Weidefläche für Schweine und Ziegen. An einer Stelle, wo früher Sandstein abgebaut wurde, führt der Weg in ein Tälchen, wo mit einem Pferd Holzstämme aus dem Wald geschleift werden. «Rücken», sagt Urs Gsell, «eine leise Arbeit mit recht hoher Effizienz».

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam, so Gsell, die Zeit der Fichte: schnelles Wachstum, gerade Stämme. Er zeigt ein solches Stück Monokultur, die «nicht mehr zielführend» sei. Die Fichte werde sich verabschieden, meint er. Gleich daneben baut der Forst seit 20 Jahren einen «Zukunftswald» auf, der nachhaltig genutzt werde. Der Erlebnisparcours wird bald wieder zurückgebaut. «Vorläufig haben wir dazu keine Zeit; einen Monat lang wird er sicher noch stehen», sagt Urs Gsell. Schliesslich empfiehlt der Förster den Besuchern, im November der kantonalen Waldinitiative zuzustimmen.

Die Präsentation der Jubiläumsschrift erhält eine humoristische Note, indem Werner Schertenleib, Laienschauspieler und bis letztes Jahr Müheler Gemeinderat, als Untervogt der Lenzburger das Bodenzinsurbar aus dem Jahre 1568, als Muhen «Muchenn» hiess, gestenreich vorträgt.