In Muhen soll der Steuerfuss von 112 auf 117 Prozent steigen. Das beantragt der Gemeinderat der Gemeindeversammlung vom 23. November. Das zusätzliche Geld wird unter anderem für einen Liegenschaftskauf benötigt, zu dem der Souverän auch noch seinen Segen geben muss.

Es geht um eine Parzelle, die bei der künftigen Entwicklung des Dorfes eine wichtige Rolle spielen wird – weil sie an zentralster Lage zwischen dem Schulareal und der Kirche liegt. Der Gemeinderat will 2,5 Millionen Franken in den Erwerb des ehemaligen Gasthofes Waldeck investieren.

Jenem Gebäude, in dem der Kanton im Herbst 2016 etwa 60 Asylbewerber einquartieren wollte und das seit einem Jahr als Schulhausprovisorium dient – bis nächsten Sommer. Die Gemeinde hat die «Waldeck» zurzeit gemietet.

Tumult um Liegenschaft

Im Herbst 2016 gingen die Wogen hoch. Damals wollte der neue Besitzer den geschlossenen Gasthof dem Kanton als Asylunterkunft zur Verfügung stellen. Dagegen formierte sich im Dorf mit der «IG pro Muhen» Widerstand. An einer Mahnwache mit Fackeln nahmen rund 500 Personen teil. Es gab aber auch Widerstand gegen diesen Widerstand. Mit einer Petition «Pro Asylunterkunft Muhen» sprachen sich knapp 260 Personen für eine Unterkunft aus.

November 2016: Fackeln vor dem Gasthof Waldeck.

Kurz danach gab der Gemeinderat bekannt, dass man sich mit dem Besitzer der «Waldeck» geeinigt habe und ein provisorischer Schulraum in der ehemaligen Beiz eingerichtet werden könne. Im Obergeschoss werden zwei Wohnungen und einige Zimmer untervermietet.

Für Zentrumsplanung wichtig

Die neue, 23 Millionen Franken teure Schule wird im Sommer 2019 fertig gebaut sein. Danach wird kein zusätzlicher Schulraum mehr nötig. Trotzdem wird der Gemeinderat Muhen an der Gemeindeversammlung beantragen, die Liegenschaft des ehemaligen Gasthofs Waldeck zu kaufen. «Wir hatten bereits vor zwei Jahren unser Interesse bekundet, die Liegenschaft zu kaufen», erklärt Gemeindeammann Andreas Urech. Damals sei es nicht ganz wunschgemäss abgelaufen.

Seither stehe der Gemeinderat laufend mit dem Eigentümer in Kontakt. Ihm sei auch das Versprechen abgerungen worden, dass die Gemeinde die erste Ansprechpartnerin sei, wenn die Liegenschaft weiterverkauft werden solle.

Dezember 2016: Muhen hat gewonnen

Bis zu 60 Asylbewerber sollten im Gasthof Waldeck untergebracht werden. Nach dem Widerstand hat der Vermieter das Objekt der Gemeinde zugesichert.

Wie der Altbau ab Sommer 2019 genutzt werden soll, ist noch weitgehend unklar. «Wir haben einfach festgestellt, dass der Bereich ‹Waldeck› für die künftige Zentrumsplanung von Muhen eine zentrale Rolle spielt», sagt Urech. Eine Zwischennutzung oder ein Ideenwettbewerb in der Bevölkerung seien denkbar. Der Gemeinderat habe die definitiven Schritte noch nicht definiert.