Der Mai 1994 ging witterungsmässig in die Geschichte ein – wegen seiner Zerstörungskraft. In Lengnau und Endingen überflutete die Surb die Ortskerne und hinterliess enorme Schäden. Bereits am 18. Mai 1994 war ein intensiver Dauerregen auf grosse Teile des Mittellandes und des gesamten Kantons Aargau niedergeprasselt und hatte die Bäche und Flüsse anschwellen lassen. Ein über Norditalien liegendes Tiefdruckgebiet bewegte sich nicht vom Fleck und in der Nacht auf den Donnerstag, 19. Mai, liess die Niederschlagsintensität kaum nach. Am Morgen war es im Surbtal so weit: Das Bachbett konnte im Abschnitt Lengnau-Endingen die Wassermassen nicht mehr halten.

Surb sucht sich neuen Lauf

In Lengnau suchte sich die Surb neben der Mühle einen neuen Lauf und ergoss sich zwischen «Krone» und altem Schulhaus über den Dorfplatz und zwischen Restaurant Post und Raiffeisenbank in Richtung Unterlengnau. Zwischen Endingen und Lengnau bildeten sich grosse Seen in der Surb-Ebene und im Gewerbegebiet Lengnau hiess es «Land unter». In Endingen überflutete die Surb den Siedlungskern zwischen den beiden Brücken im Bereich Hauptstrasse/Brunnenwiese. Auch der vom Siggenberg kommende Lochbach bestätigte wieder einmal seine Unberechenbarkeit und richtete Schäden im Bereich Postgaragen/Weidgasse an. Der Wasserstand sank im Laufe des Tages wieder, sodass die im pausenlosen Einsatz stehenden Feuerwehren mit dem Auspumpen von zahllosen Kellern und dem Wegräumen des zerstörten Hausrats beginnen konnten.

Ausgelöst hatte das Hochwasser der flächendeckende Dauerregen, dessen Intensität bis dahin noch nie im Aargau verzeichnet worden war. Im Surbtal selbst stand damals kein Niederschlagsmesser, doch aufgrund der Werte anderer Stationen im Aargau geht das Aargauische Versicherungsamt davon aus, dass innerhalb von 24 Stunden 100 bis 120 Millimeter Regen fielen – dies entspricht 100 bis 120 Liter Wasser pro Quadratmeter. Aussergewöhnlich an jenem Hochwasser war auch, dass es – quasi hausgemacht – durch den Niederschlag auf eigenes Territorium entstand. Der Aargau wird in der Regel viel stärker von auswärtigen Ereignissen (Schneeschmelze, verbunden mit Starkregen; intensive Gewitter in den Bergen) betroffen, die via die grossen Flüsse ins Unterland weitergereicht werden.

Martin Tschannen vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt bezeichnet das Hochwasser vom 19. Mai 1994 rückblickend als sogenanntes Jahrhundertereignis – ein Hochwasser, wie es statistisch gesehen durchschnittlich einmal in 100 Jahren eintreten kann. Die Wassermessstellen in der Surb registrierten in der Spitze 35 Kubikmeter pro Sekunde in der Tiefenwaag und 57 Kubikmeter in Döttingen. In Lengnau dürfte der Durchfluss demnach bei über 40 Kubikmetern und in Endingen nahe bei 50 Kubikmetern gelegen haben.

Hochwasserschutz fertig

Die damalige Schadensbilanz (Separattext oben) führte zu intensiven Planungen im Hochwasserschutz. In diversen Etappen wurden vor allem die Surbdurchflüsse in Lengnau und in Endingen vergrössert sowie das Gewerbegebiet Lengnau mit Dammaufschüttungen geschützt. Das Surbbett in Lengnau kann heute maximal 25 Kubikmeter Wasser pro Sekunde schlucken, in Endingen sind es 30 Kubikmeter pro Sekunde. Dies allein genügt nicht, um ein ähnliches Hochwasser wie am 19. Mai 1994 bewältigen zu können. Deshalb ist in der Tiefenwaag das Rückhaltebecken Ried erstellt worden. Dieses kann den Surbdurchfluss aus dem Kanton Zürich auf 18 Kubikmeter pro Sekunde drosseln. Vor Endingen wird gerade jetzt ein weiteres Rückhaltebecken fertiggestellt, das den Wasserdurchfluss auf 30 Kubikmeter pro Sekunde drosselt. Die Kombination dieser Massnahmen gewährleisten laut Tschannen, dass ein erneutes 94er-Ereignis ohne Überschwemmungsschäden in den Dörfern ablaufen würde. In Endingen müssten allerdings am Lochbach noch weitere Schutzmassnahmen ergriffen werden, um auch diese Gefahrenquelle endgültig zu bändigen.

Geschützt – aber nicht absolut

Die Jahrhundertüberschwemmung vom 19. Mai 1994 liegt nun 20 Jahre zurück. Statistisch gesehen sollte das Surbtal noch 80 Jahre Ruhe haben, bevor die nächste Bewährungsprobe in Form eines ähnlich dimensionierten Hochwassers kommt. Die Investitionen von rund 12 Millionen Franken in den Hochwasserschutz im Surbtal lohnen sich aber schon jetzt, denn sie entschärfen sämtliche künftigen Hochwasserlagen unterhalb der Schwelle des «Jahrhundertereignisses», die in der Vergangenheit auch schon zu erheblichen Schäden geführt haben.

Absoluten Schutz können aber auch diese Massnahmen nicht garantieren: Kommt es zu einer noch stärkeren Überschwemmung – einem 500-Jahre-Ereignis – nützen die Rückhaltebecken nur noch wenig – sie überlaufen und können die Drosselwirkung nicht mehr im gewünschten Mass entfalten.