Leibstadt

«Corona geht vorbei, unsere Probleme bleiben»: Schreinerei muss nach über 30 Jahren schliessen

(Symbolbild)

Nach über 30 Jahren schliesst eine bekannte Schreinerei und Fensterfabrik in Leibstadt. Grund ist aber nicht die aktuelle Krise.

Die Coronakrise fegt gerade mit voller Wucht über die Schweizer Wirtschaft hinweg. Die Zahlen rütteln auf: Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft Seco brach die Produktivität bisher um einen Viertel ein. Befürchtet wird ein Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) für das laufende Jahr von über 10 Prozent. Die Folge werden Tausende von Firmenschliessungen sein, so die düsteren Prognosen.

Zu den Unternehmen, die ihren Betrieb einstellen müssen, gehört auch die Schreinerei und Fensterfabrik AG Peter Klaus in Leibstadt. Am Montag wurden die letzten Fenster für Kunden produziert. Bis Ende Juni werden noch laufende Arbeiten abgeschlossen, dann ist nach über 30 Jahren für das Zurzibieter KMU Schluss. Acht Personen verlieren ihre Stelle.

Ruinöser Preiskampf und schlechte Zahlungsmoral

Geschäftsführer Werner Oberbichler legt Wert darauf, dass die Schliessung nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit den Folgen von Covid-19 steht. Oberbichler nennt gleich mehrere Gründe, die zum Aus geführt hätten. Viele kleine und mittlere Firmen würden schon seit Längerem mit den vergleichbaren Problemen kämpfen. «Es ist seit Jahren ein Preiskampf im Gang, der die Branchen ruiniert.»

Die Nähe zu Deutschland, die vermehrte Produktion im Ausland und der Einkauf der Leute ennet der Grenze hätten dazu geführt, dass man die eigenen Produkte nicht mehr kostendeckend fabrizieren könne. Seine Firma ist auf die Herstellung von Holz-, Metall- und Kunststofffenster spezialisiert. Erschwerend sei hinzugekommen, dass die Zahlungsmoral der Kunden stark abgenommen habe. «Die üblichen Fristen werden leider immer weniger eingehalten», kritisiert Oberbichler.

Zweifel am Heimatschutz für Schweizer Wirtschaft

Der CEO liefert ein Beispiel, wie sich die Preise entwickelt haben. Als er 2011 die Leitung der Firma von seinem Schwiegervater und Gründer Peter Klaus übernommen habe, kostete ein Quadratmeter Holz-Metall-Fenster zwischen 1000 und 1200 Franken. «Heute sind es noch zwischen 650 und 750 Franken. Man kann selber ausrechnen, was das für uns bedeutet.» Grossanbieter hätten dies mit der Auslagerung ins Ausland auffangen können. «Wir leider nicht.» Als negative Folge leide zunehmend auch die Qualität. «Immer billiger und gleichzeitig besser, das geht nicht.»

Oberbichler hat grösste Zweifel, dass das momentan viel beschworene Bekenntnis zur Schweizer Wirtschaft Bestand haben werde. «Sobald die Grenzen wieder offen sind, werden die Leute ins alte Verhaltensmuster zurückfallen.» Corona gehe vorbei, die Probleme würden bleiben, ist er überzeugt.

Wie es mit dem 47-Jährigen beruflich selbst weitergehen wird, ist momentan noch offen. Der Familienvater hält bereits nach einer neuen Aufgabe Ausschau, wie er sagt. Wichtig ist ihm allerdings, dass er das Kapitel der Peter Klaus Fensterfabrik zu einem sauberen Abschluss bringt.

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Autor

Daniel Weissenbrunner

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