Einer der gegenwärtig weltweit bekanntesten Big-Band-Leader zog im Musikraum vom Lengnauer Schulhaus Rietwise seinen blauen Blazer aus und machte sich hemdsärmelig an die Arbeit. Diesen Montagabend: Das Jugendspiel Surbtal (JSS) hatte seine wöchentliche Probe, und vor den Musikerinnen und Musikern stand kein Geringerer als Pepe Lienhard. Mit seiner Big Band hatte er mit Weltstars wie Sammy Davis Jr. und Frank Sinatra auf bedeutenden Bühnen gestanden; 30 Jahre lang war er mit Udo Jürgens auf Tourneen durch die Lande gezogen. Längst ist er Liebling der «People»-Medien. Kurzum – wo Promi draufsteht, ist Pepe drin.

Für die Lengnauer Band war die einmalige Probe unter dem Star ein Geburtstagsgeschenk. Das JSS feiert heuer sein 40-Jahr-Jubiläum, was im Dezember an zwei Tagen gefeiert werden wird. 1978 gegründet von den Musikgesellschaften Lengnau, Endingen und Würenlingen, hatten sich später jene aus Tegerfelden und Ehrendingen dazugesellt. Zur Probe mit Lienhard waren denn auch Vertreter der «Stamm»-Gesellschaften geladen. So hatten nebst den 30 jungen Musikerinnen und Musikern auch zehn gestandene Mannen und Frauen hinter den Notenständern Platz genommen, als «Pepe National» in erleichterndem Tenü vor sie trat.

Musiker im Ausnahmezustand

Zuvor hatte Yves Jordi, der das JSS seit 12 Jahren leitet, die Instrumentalisten musikalisch eingestimmt, um sie dann mit den Worten «Ich habe eine Scheissfreude, hätte nie für möglich gehalten, dass Pepe mal eine Probe leitet» dem Gast-Leader anzuvertrauen. Während die 11-jährige S-Hornistin Lea Schmid aus Lengnau unaufgeregt Platz genommen hatte, war der 72-jährige Posaunist Georg Müller aus Tegerfelden sichtlich aus dem Häuschen: «Es ist eine Ehre, unter Pepe zu spielen und nach 57 Jahren Erfahrung zum ersten Mal mit einem Profi üben zu können.»

«Egal, ob man im KKL Luzern spielt oder in irgendeiner Turnhalle – man gibt immer sein Bestes», betonte Strahlemann Lienhard, bevor er mit «Hey Jude» das erste Stück in Arbeit nahm. Und diese Arbeit war ganz schön schweisstreibend – für den Leader, für die Musikanten, ja selbst für die Zuhörer.

Denn Pepe Lienhard macht bekanntlich keine halben Sachen. Entsprechend intensiv – geradezu pedantisch – zerlegte er die JSS-Interpretation des Beatles-Stücks. Register um Register wurde akribisch einzeln auf Rhythmus und Reinheit geprüft. Direktiven wie «die schnellen Läufe müssen wir einzeln ansehen», «am Anfang schön transparent und dann plötzlich ‹badam, bäbä, da, da, bäm›», «wir machen nochmals das Saxofon», wurden tatkräftig unterstützt von Lienhards Armen und Händen. Dass einer seiner Füsse dabei ständig in Bewegung war, versteht sich von selbst.

Der Sonnyboy weckt den Ehrgeiz

Unverhofft blickt er zum Schlagzeuger: «Du machst etwas mit der Base-Drum!» Lienhard geht zum Drummer, schüttelt den Kopf «Du spielst ohne Noten?». Flugs organisiert Yves Jordi ein entsprechendes Notenblatt. Der Eifer der Musikerinnen und Musikern ist blitzartig geweckt, ihr Ehrgeiz spürbar angestachelt. Lienhard fordert energisch, verliert dabei aber nie seinen unwiderstehlichen Charme. Weltweit berühmter Profi hin oder her: Pepe ist und bleibt der Sonnyboy aus Lenzburg.