GratXray ist letzten Sommer als Spinoff aus der ETH Zürich und dem Paul Scherrer Institut (PSI) hervorgegangen. Ein Spin-off bündelt Kompetenzen, löst sie aus einer bestehenden Struktur, um sie schliesslich in einem neuen Unternehmen, einem sogenannten Start-up, konzentriert und zielgerichtet einsetzen zu können. Das Fachwissen, mit dem GratXray an den Start geht, ist enorm. Aussergewöhnlich eigentlich für ein so junges Unternehmen. Vorarbeit von über zehn Jahren fliesst ein. Basis für das neue Gerät bildet ein spezielles, am PSI und der ETH unter der Leitung von Professor Dr. Marco Stampanoni entwickeltes Röntgenverfahren, das mit Phasenkontrast arbeitet. «Durch die Integration dreier Gitter (s. Box) in bestehende Röntgensysteme gelingt es uns, nicht allein zu messen, wie stark das Gewebe die Röntgenstrahlen absorbiert, sondern auch, wie die Strahlung gebrochen und gestreut wird», sagt Dr. Martin Stauber. Er ist Mitbegründer und CEO der GratXray AG. «Die auf diese Weise gewonnenen Zusatzinformationen führen zu enorm kontrastreichen Bildern, die feinste Dichteunterschiede im Gewebe sichtbar machen.» Das klassische Röntgen zeigt alle Informationen auf einem einzigen Projektionsbild. Für eine aussagekräftige Diagnose braucht es das geschulte Auge einer erfahrenen Radiologin, eines erfahrenen Radiologen. Das neue CT (Computertomographie) Verfahren liefert hochaufgelöste 3-D-Bilder. Die Radiologen, die den Befund erstellen, können sich Schicht für Schicht durch die dargestellte Brust scrollen. Kleinste Verkalkungen und Gewebeveränderungen zeigen sich so klar und deutlich. Bei der neuen Brustbildgebung liegen die Frauen bequem auf dem Bauch. Im Gegensatz zur Mammographie entfällt die Notwendigkeit einer Kompression der Brust. Unter dem Untersuchungstisch befindet sich der Computertomograph, der die Bilder mit gleicher Strahlenbelastung wie bei einer herkömmlichen Mammographie macht. Konzentration der Kräfte im PARK innovAARE Im PARK innovAARE auf dem Areal des Paul Scherrer Instituts in Villigen entwickelt GratXray das neue Gerät. «Hier konzentrieren sich innovative Kräfte, wie sie nur an wenigen Orten in der Schweiz zu finden sind», sagt Stauber. Er schätzt die kurzen Wege und die offenen Türen. So auch der direkte Kontakt zum Kantonsspital Baden (KSB). «Der Schritt vom Labor in die Praxis gelingt uns nur, wenn das Gerät den klinischen Anforderungen und Bedürfnissen gerecht wird», ist Stauber überzeugt. Die Radiologin und Chefärztin am KSB Prof. Dr. med. Rahel Kubik erhofft sich von der neuen Methode, «. . . dass sie im Vergleich zur herkömmlichen Mammographie besser aufzeigt, wo im Brustgewebe eine Gewebeentnahme gemacht werden muss». Der Zeitplan bis zur Marktreife ist sportlich. In drei Jahren soll das erste Gerät im klinischen Einsatz stehen. Zurzeit ist Stauber vor allem auf der Suche nach Investoren. «Uns hilft, dass wir im letzten Jahr den Swiss Technology Award in der Kategorie ‹Inventors› gewonnen haben.»