Wer gehört werden will, macht Radau. Seien es SVP-Parlamentarier, die zum Jubiläum des EWR-Neins im Nationalratsaal verbotenerweise Plakate aufspannen, oder Umweltschützer, die auf dem Bundesplatz ohne Bewilligung gegen eine zweite Gotthardröhre demonstrieren. Resultiert eine Aktion in einer Rüge oder einer Strafanzeige, ist das nicht schlimm. Im Gegenteil. Denn dann berichten die Medien besonders umfassend.

Doch es gibt Grenzen, die man beim politischen Guerilla-Marketing nicht überschreiten sollte. Das zeigt das Beispiel der Gewerkschaft Unia. Um auf die Revision des Gleichstellungsgesetzes aufmerksam zu machen, schalteten deren Kommunikationsverantwortliche vor kurzem gefälschte Jobinserate für eine Stelle als HR-Assistenz. Die Annonce erschien in zwei Varianten: Das Inserat für Männer beinhaltete einen Jahreslohn von 75 000 Franken, bei den Frauen betrug das Salär nur 56 250 Franken. Die Inserate verbreiteten sich online wie ein Lauffeuer, mit «Le Matin» berichtete bald auch ein Mainstream-Medium über den angeblichen Skandal. Das Ziel der medialen Aufmerksamkeit hat die Gewerkschaft damit erreicht. Aber der angerichtete Schaden dürfte grösser sein als der Nutzen daraus: Wer auf eine reale Problematik hinweisen will, aber die Belege dafür fälscht, verspielt seine Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit.