Das neue Kinderbetreuungsgesetz verpflichtet alle Gemeinden, ab Schuljahr 2018/19 den Zugang zu einem bedarfsgerechten Angebot an familienergänzender Betreuung von Kindern bis zum Abschluss der Primarschule sicherzustellen. Zudem müssen sie sich nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit der Erziehungsberechtigten an den Kosten beteiligen. Wie eine Gemeinde diese Pflicht umsetzt, ist im neuen Gesetz nicht speziell definiert. In der Stadt Brugg haben es die Politiker in der letzten Legislaturperiode – allen voran SP-Bildungsvorsteher Willi Däpp – allerdings verpasst, sich rechtzeitig um diese Aufgabe zu kümmern und dem Einwohnerrat eine Vorlage zum Entscheid zu unterbreiten.

Das Resultat sind ratlose Eltern, verunsicherte Politiker und weitere Beteiligte, die Abklärungen trafen. Sie alle wissen nicht, wie es weitergeht und wer Anspruch auf wie viel Geld hat. Das Image der reichen Stadt ist einmal mehr angekratzt. Unter diesem Umstand wirkt es fast zynisch, dass SP-Einwohnerrat Reto Bertschi im Stadtparlament am Freitag erreichen möchte, dass sich der Stadtrat um das Label «Kinderfreundliche Gemeinde» bewirbt.

Davon ist die Stadt Brugg derzeit noch weit entfernt. Sie muss zuerst beweisen, dass sie ihre Aufgaben in der Familienpolitik pflichtbewusst und speditiv erledigt. So ist etwa nicht nachvollziehbar, warum der Stadtrat bereits im Februar 2018 entschied, die Gesetzeseinführung auf August 2019 zu verschieben. Nun werden die Kinder halt teilweise ausserhalb von Brugg betreut, zahlen muss die Stadt trotzdem.

claudia.meier@azmedien.ch