Es hätte niemand reklamieren können, wenn Philipp Müller nach einer Legislatur nochmals vier Jahre als Ständerat hätte anhängen wollen. Doch sein Verzicht ist vernünftig und kommt zur rechten Zeit. Vernünftig, weil ein Politiker abtreten sollte, solange er noch gut ist und nicht schon ein Auslaufmodell. Mit seinem Verzicht auf eine weitere Amtsperiode beweist Philipp Müller jedenfalls, dass er kein Sesselkleber ist.

Gerade noch zur rechten Zeit kommt der Entscheid für die FDP. Müller liess seine Partei den Sommer über zappeln, während die Konkurrenz bereits Kandidaten diskutiert und nominiert hat. Jetzt bleibt den Freisinnigen doch noch genügend Zeit, um sich ebenfalls mit neuen Namen ins Spiel zu bringen.

«Ein vernünftiger Entscheid – aber auch gut für die Konkurrenz»

Der Kommentar des stellvertretenden AZ-Chefredaktors Rolf Cavalli.

Einiges spricht dafür, dass es auf Thierry Burkart hinauslaufen könnte. Der 43-Jährige ist zwar noch keine vier Jahre in Bern. Er hat sich als Nationalrat aber rasch etabliert, ist als ehemaliger Grossratspräsident bestens vernetzt im Aargau und vertritt schon jetzt am vehementesten die regionalen Interessen in Bern – Stichwort: sechsspurige Autobahn. Thierry Burkart könnte das werden, was Pascale Bruderer im Ständerat bislang verkörperte: eine jung-dynamische Vertretung des Aargaus mit Akzeptanz über die Parteigrenzen hinaus.

Müllers Abgang darf auch die Konkurrenz freuen. Die Doppelvakanz Müller/Bruderer erhöht die Chancen für neue Kandidaten. Und noch wichtiger: Die Wählerinnen und Wähler haben nun eine breite Auswahl an neuen Kräften von links bis rechts, um ein Zweierticket für Bern zusammenzustellen.