Das ist kein Märchen. Auch keine Fabel. Aber eine schöne Geschichte, wie sie nur das Leben schreiben kann. Die Bühne: ein Parkplatz. Die Protagonisten: ein Rabe und eine Maus. Dazwischen ein grosses Stück Weissbrot. Fette Beute. Der Rabe tut einen Schritt und beginnt, daran zu picken. Jetzt nähert sich die Maus, zögerlich. Traut sich nicht weiter an diese pechschwarze, furchteinflössende Gestalt ran. Zieht den Schwanz ein, tippelt davon. Scheint es sich anders zu überlegen, der Magen knurrt. Wagt sich ganz nah an den Raben und das Brot. Doch das letzte Stück Mut, das fehlt ihr. Der Rabe ist der Stärkere, da gibt’s nichts zu holen. Die Maus verzieht sich ins Gebüsch.

Und dann geschieht das unerwartet Wunderbare. Der Rabe zupft ein grosszügiges Stück vom Brot weg, schreitet damit in Richtung Gebüsch. Legt das Geschenk auf den Asphalt davor, wartet. Die Maus kommt nicht. Er trägt das Brot näher zum Gebüsch, späht hinein. Legt es behutsam hin, bedeckt es mit ein paar Ästen und geht davon. Und schon streckt die Maus den Kopf aus dem Gebüsch, blitzschnell wieselt sie zum Brot, packt es und verschwindet zum Festmahl sogleich wieder.

Soll mir mal einer sagen, dass das Schauen von Tierclips auf Facebook verschwendete Zeit sei. Von der Grosszügigkeit und der Nächstenliebe des Raben könnten wir uns alle ein grosses Stück abschneiden. Ein sehr grosses.