Ende Juli. Der kleine Japangarten am Muntersweg 17 in Grenchen erstrahlt im schönsten Sommerkleid. „Das üppige Blätterkleid tut das seinige dazu, dass das kleine Kunstwerk zum Ort der Ruhe und Meditation wird, wo man im Gleichklang mit der Natur Kraft schöpfen und seine Sinne schulen kann“, sagt Colette Baumgartner, die Schöpferin des lediglich gut 30 m2 grossen Kleinods. Doch wie kommt eine gebürtige Grenchnerin überhaupt dazu, sich dermassen intensiv mit dem Thema Japangarten auseinanderzusetzen? Colette Baumgartner erzählt: „Mein Urgrossvater Paul Ritter war Anfang des 20. Jahrhunderts der erste Schweizer Botschafter in Japan. Sein Sohn – mein Grossvater – heiratete eine Japanerin, meine Mutter wuchs auch teilweise in Japan auf und ich selber bereise seit meinem 14. Lebensjahr regelmässig das Land der aufgehenden Sonne.“ Entsprechend intensiv habe sie die japanische Kultur geprägt, so Baumgartner weiter.

Ein traditioneller japanischer Teegarten enthält praktisch keine Blumen und Blüten, stattdessen Farne, Ahornbäume, Japangras, Moos und weitere Pflanzen in verschiedenen Grüntönen. Wegplatten sucht man vergeblich, denn im ursprünglichen japanischen Verständnis werden Symmetrien vermieden, eine organische, der Natur entlehnte Linienführung aus Kies oder verschieden grossen Steinen gegenüber Geradlinigkeit bevorzugt. Und nicht fehlen dürfen ein Tsukubai, ein ausgehöhlter Naturstein, der als Wasserbecken dient, sowie Steinlaternen, die den Gästen abends den Weg zu den Teehäusern weisen sollen.

*Oki besteht aus zwei japanischen Schriftzeichen, die zusammengesetzt „grosser Baum“ bedeuten