Historisch: Hier durchbricht die Limmat den Damm und fliesst in die Grien-Insel

Grien-Insel, Dietikon, 07.09.2018

Es war ein kleiner Schritt für den Bagger, aber ein grosser für die Limmattaler Natur: Um Punkt 10 Uhr floss am Freitagmorgen das erste Wasser in den Auenwald auf der Dietiker Grien-Insel. Ein historischer Moment. Blaugrün glänzend hatte sich die Limmat zuvor beim Erdwall gestaut. Dann hob die Baggerschaufel das letzte Stück Erde des Damms in die Luft. Das Wasser strömte los, hellbraun suchte es sich seinen Weg durch die Grien-Insel. Weisse Schaumkronen tanzten auf der flüssigen Naturgewalt, die alles Leben überhaupt erst möglich macht. Und die jetzt mehr Platz hat.

Das waren die letzten Baggerarbeiten vor dem grossen Auen-Durchstich

Grien-Insel, Dietikon, 07.09.2018

Mit diesem ersten Durchstich ist der neue Nebenfluss aber noch nicht fertig. In zwei bis drei Wochen wird weiter unten auf der Insel wiederum gebaggert. Es erfolgt ein zweiter Durchstich, sodass der Seitenarm nicht nur einen Anfang, sondern auch ein Ende hat. Bis dahin wird sich das Wasser im Auenwald noch aufstauen. Im November soll die Aufwertung des Auenwalds dann fixfertig sein.

So bahnte sich die Limmat ihren Weg mitten durch den Auenwald

Grien-Insel, Dietikon, 07.09.2018

Zudem beginnt jetzt die Natur, den Nebenfluss zu gestalten. «Die Böschungen bestehen hier vor allem aus Kies. Wenn das Hochwasser kommt, wird das erodieren und die Natur wird die Böschung immer wieder verändern», sagt Bauingenieurin Monica Fernandez.

Bauingenieurin Monica Fernandez sagt, was sich mit dem neuen Nebenfluss alles ändert

Grien-Insel, Dietikon, 07.09.2018

Zudem beginnt die Tierwelt, die neue Wasserwelt zu besiedeln. Vom Nebenfluss profitieren sollen insbesondere die Eisvögel und die Gartengrasmücken, die beide auf der Roten Liste gefährdeter Arten verzeichnet sind. Aber auch der Mittelspecht und die Wacholderdrossel sollen sich hier wohlfühlen. Auch für die Gemeine Keiljungfer, eine gefährdete Libellenart, und für Fledermäuse ist der neue Nebenarm positiv. Was die Fische anbelangt, soll der Nebenfluss insbesondere den Jungfischen von Nasen und Äschen Schutz bieten, da mitunter Wurzeln und Baustämme hineinragen.

«Etwas vom Ursprungszustand»

Das Flussbett, in das am Freitag das Wasser floss, wurde bereits Ende des letzten Jahres gegraben (die Limmattaler Zeitung berichtete). Vor dem Durchstich enthielt es bereits Wasser. Dies hat mit dem Boden zu tun, der hier vor allem aus Schotter besteht. Für das Grundwasser war es ein Leichtes, sich an die Oberfläche zu drücken und so das Nebenflussbett zu füllen. Mit dem Durchstich des Damms stieg der Wasserpegel dann rasant an.

Alfredo Scherngell, Leiter Wasserbau bei den EKZ, sagt, welche Renaturierungsmassnahme ihn am meisten freut

Grien-Insel, Dietikon, 07.09.2018

«Man gibt der Limmat wieder etwas von ihrem Ursprungszustand zurück. Mit viel Bewegung und Seitenarmen, wie sie sie vor vielen Jahren hatte. Das ist etwas Schönes und macht mir Freude», sagt Fernandez. Und auch Alfredo Scherngell, Leiter Wasserkraft bei den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ), hat Freude am neuen Seitengewässer. «Der Auenwald ist von nationaler Bedeutung. Dass wir ihn nun mit einem Nebenfluss aufwerten können, ist sicher das Highlight der ökologischen Massnahmen.»

Beim Ort des Durchstichs wurde der Limmat-Nebenfluss schnell immer breiter

Grien-Insel, Dietikon, 07.09.2018

Die Renaturierungsmassnahmen geschehen im Zuge des Ausbaus des Dietiker Limmat-Wasserkraftwerks der EKZ. Zu diesen wurden die EKZ verpflichtet, als sie eine neue Konzession zur Nutzung des Limmatwassers für ihre Stromproduktion erhielten. Zusätzlich zum neuen Nebenfluss wird etwa die Reppisch-Mündung neu gestaltet.

Neue Buchten und mehr: Hier gibt es noch mehr Fotos von der Limmat-Renaturierung