Phuu! Nach sechs Spieltagen sieht das, mit dem man sich beim FC Aarau zufriedengibt, so aus: Niederlage gegen eine Mannschaft, die erst die zweite Saison im Profifussball bestreitet und in der Halbprofis mitspielen. Am Samstagabend haben die Aarauer am oberen Zürichsee vier Torchancen, drei davon in der zehnminütigen Schlussoffensive nach Edmond Ramadanis Anschlusstor zum 1:2.

Natürlich war der Auftritt eine Verbesserung. Aber auf welchem Level? Trainer Patrick Rahmen sagt selber: «Was wir vor einer Woche gegen Chiasso gezeigt haben, hatte mit Fussball nicht viel zu tun.» Nach dem Schlusspfiff in Rapperswil-Jona sagt er: «Wir haben endlich wieder Fussball gespielt. In der ersten Halbzeit habe ich einen guten FC Aarau gesehen.» «Gut» bedeutet in dem Fall: Eine nennenswerte Torchance und optische Überlegenheit gegen einen tief stehenden Gegner, bei dem notabene einige Spieler unter der Woche einem normalen Beruf nachgehen.

Wembley-Szene zum Schluss

Zur Verteidigung Rahmens sei gesagt: Direkt nach dem Schlusspfiff ist er noch emotionalisiert vom Powerplay seiner Mannschaft in der Schlussviertelstunde. Dieses hätte aus FCA-Sicht beinahe zum Ausgleichstreffer geführt. Als Mickael Almeida in der 80. Minute abzog und der Ball von der Latte nach unten prallte, hatten die Aarauer den Torjubel schon auf den Lippen. Doch der Schiedsrichter entschied in dieser «Wembley-Szene» spontan auf Weiterspielen und nicht auf Tor für den FCA. Zu Recht, wie sich beim Betrachten der TV-Bilder herausstellte – der Ball landete vor der Torlinie.

FC Rapperswil Jona – FC Aarau, Lattenschuss Mickael Almeida

Man kann es aber auch so sehen: Vor Ramadanis Anschlusstreffer, der die Schlussoffensive einläutete, machten die Aarauer erneut einen besorgniserregenden Eindruck. Als Reaktion auf das 0:2 von Aldin Turkes – entstanden durch einen umstrittenen Penaltypfiff nach einer Grätsche von Jäckle gegen Shabani – war bei den Spielern kein Aufbäumen und keine Wut über den erneuten Wirkungstreffer auszumachen.

Stattdessen trottete jeder emotionslos auf seine Position, um den Wiederanpfiff von Schiedsrichter Horisberger abzuwarten. Und hätte in den folgenden 20 Minuten Goalie Djordje Nikolic nicht zwei starke Paraden gezeigt und so seinen Fehler beim 0:1 ausgemerzt, wären die Aarauer schon nach 75 Minuten besiegt gewesen.

So gesehen ist die Schönrederei von Trainer, Spielern und Klubführung gefährlich. Wenn man nur auf die wenigen gelungenen Aspekte hinweist und in der Analyse die entscheidenden Dinge wie «Spiel nicht unverdient verloren», «phasenweise Auflösungserscheinungen» und «offensiver wie defensiver Dilettantismus» vernachlässigt, denken die Spieler: Dann machen wir einfach so weiter. Fussballer sind oft Opportunisten, die nicht mehr tun, als von ihnen verlangt wird.

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Vertrauensbekenntnis auf dem Platz

Unter der Woche griff Patrick Rahmen zu einer ungewöhnlichen Disziplinar-Massnahme: In der Nacht auf Dienstag mussten die Spieler um 4 Uhr im Brügglifeld antraben, ihre Handys abgeben und anschliessend in der Dunkelheit eine Orientierungsübung absolvieren. Motto: «Nur gemeinsam kommen wir aus der Krise.» In den Minuten nach dem 0:2 in Rapperswil-Jona war von diesem Motto nichts zu spüren.

Die zweite Veränderung in der vergangenen Woche war die Installation von Meisterheld Petar Aleksandrov als Stürmertrainer. Wer von der vergifteten Stimmung zwischen der Klublegende und den FCA-Verantwortlichen in den vergangenen Jahren wusste, war – gelinde gesagt – sehr erstaunt über diese Nachricht.

Beides sind Massnahmen im Softbereich. Auf Signale mit Wirkung, sprich auf Köpferollen, verzichtet die Klubführung, obwohl sich der FC Aarau in seiner Geschichte sportlich noch nie in einem so desolaten Zustand präsentierte. Trainer Patrick Rahmen bekam in Rapperswil-Jona von Vizepräsident Roger Geissberger noch auf dem Feld das Vertrauen ausgesprochen. Geissberger sagt später zur «AZ»: «Sportchef Sandro Burki, der Trainer und die Spieler sind auch nach der Länderspielpause dabei.»