Himmelhoch jauchzend. Zu Tode betrübt. Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft bot in diesem Jahr die ganze Bandbreite der Emotionen. Da war einerseits der enttäuschende Auftritt an den Olympischen Spielen in Pyeongchang. Statt der erträumten Medaille folgte das schmähliche Achtelfinal-Out gegen Deutschland.

Drei Monate später hing der Himmel dann voller Geigen. WM-Silber in Kopenhagen! Nur hauchdünn wurde der ganz grosse Triumph, der WM-Titel, verpasst. Diese Achterbahnfahrt der Gefühle zeigt recht gut auf, wo sich das Schweizer Eishockey derzeit befindet. Irgendwie zwischen den Welten. In der Regel gehört man nicht zur absoluten Weltspitze. Man hat aber auch mehr Potenzial als die unmittelbare Nachbarschaft in der Weltrangliste.

Die Schweizer Eishockey-Nati bewegt sich zwischen den Welten.

  

Anders ausgedrückt: Man hat punkto finanzieller Potenz und kultureller Verankerung des Sports die günstigeren Voraussetzungen als die Konkurrenz, sich der absoluten Weltspitze anzunähern. Was braucht es aber, dass sich das Produkt Eishockey in der Schweiz verbessert? Nicht nur auf Stufe der Nationalmannschaften. Sondern generell. Um das herauszufinden, versammelte Swiss Icehockey, der Schweizerische Eishockeyverband, Klubvertreter, Sponsoren, Medienschaffende, Politiker, Fanvertreter und Verbandsfunktionäre zur ersten Zukunftskonferenz.

120 Leute diskutierten in Langnau einen Tag lang über das Schweizer Eishockey. Ziel war eine erste Standortbestimmung, das Erkennen von Trends und Entwicklungen und letztlich das Definieren einer idealen Zukunftsvorstellung, inklusive der Erarbeitung konkreter Lösungsansätze. Nachfolgend die vier wichtigsten Problemfelder, die sich – in der Fülle vieler Themen – herauskristallisiert haben:

Infrastruktur: Es braucht deutlich mehr Eisflächen

Um mehr Kinder zum Eishockey zu bringen und gleichzeitig den Breitensport zu fördern, bräucht es in der Schweiz mehr Eisflächen. Die politischen und finanziellen Hürden sind diesbezüglich bekanntlich sehr hoch. Ein sehr interessanter Ansatz ist deshalb die Nutzung von sogenannten «Pop-up»-Eisflächen. Eisrinks, die sich auf jedem freien Platz aufstellen und mit einem einfachen Zelt überdachen lassen.

Eine weitere Alternative sind synthetische Eisflächen, die mit ganzen Bandensystemen gemietet werden und im Winter zum Beispiel in ungenutzten Freibädern installiert werden könnten. FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen unterstrich zudem die Bedeutung des Lobbyings: Wer als Interessensgemeinschaft auf politischer Ebene etwas erreichen will, der muss seine Interessen bündeln, geschlossen und überzeugend auftreten.

Rekrutierung: Es braucht mehr Trainer und Spieler

Eishockey ist ein aufwendiger Sport. Die oft ungünstigen Trainingszeiten, die zahlreichen Trainings, der damit verbundene, logistische Aufwand für die Eltern und die nicht zu unterschätzenden Kosten treiben die Einstiegsschwelle für Kinder nach oben.

Auch auf Stufe Trainer ist die Rekrutierung neuer Leute eine permanente Baustelle, bei Schiedsrichtern und Funktionären ebenso. Ein Lösungsansatz: Es sollen vor allem ehemalige Profis ins Boot geholt werden. Als Trainer, als Botschafter, die die Jungen zum Eishockey bringen sollen, als Karriereplaner, die ihre Erfahrungen einfliessen lassen. Generell soll die Kommunikation der Eishockey-Gemeinschaft offener, aktiver werden.

Swissness: Entwicklung einer Schweizer Kultur

Mit Luca Cereda (Ambri) und Arno Del Curto (Davos) sind in der National League aktuell nur zwei von zwölf Trainern Schweizer. Langfristig muss es das Ziel sein, mehr eigene Trainer zu «züchten», die auf höchster Ebene agieren. Die Abhängigkeit von ausländischen Eishockey-Lehrern soll generell kleiner werden. Dies auch vor dem Hintergrund, dass sich mit der Zeit eine eigene, Schweizer Eishockey-Kultur entwickelt – Stichwort «Swissness».

Unter Nationaltrainer Patrick Fischer hat die Nationalmannschaft mittlerweile ein gewisses Selbstverständnis entwickelt – auch dank den NHL-Spielern, die mit einem gesunden Selbstvertrauen ans Werk gehen. Trotzdem: Um solche langfristigen Strategien umzusetzen, ist generell mehr Geduld – vor allem im Fall von sportlichen Misserfolgen – nötig. Sei es bei Fans, Medien, Sponsoren, Klub- und Verbandsführungen. Deshalb ist auch in diesem Bereich eine stringente, offene Kommunikation beim «Verkauf» der eigenen Ideen unverzichtbar.

Ausbildung: Schule und Sport unter einem Hut

Ein Problemfeld, das nicht nur das Eishockey betrifft, ist die oftmalige Unvereinbarkeit von Schule und (Spitzen-)
Sport. Im Gegensatz zu Ländern wie Schweden fehlt uns in der Schweiz oft das Verständnis für die Bedeutung des Sports, für den Beruf des Sportlers. Entsprechend schwierig ist es, Ausbildung und Training unter einen Hut zu bringen.

Gerade auf der Primarstufe. Dabei hätten flexiblere Modelle viele Vorteile. Etwa den, dass man die Eiszeiten auf den vorhandenen Eisflächen viel besser nutzen könnte (nicht alle am Morgen/Mittag/Abend). Ausserdem könnte man schulische und sportliche Belastung der Kinder optimaler aufeinander abstimmen. Auch hier entscheidet letztlich der Zugang zur Politik über die Machbarkeit.